Computer, Radios und Maschinen nun in Serienfertigung

Wissenschaft und Technik 1950:

Die bedeutendsten technischen Fortschritte des Jahres spielen sich auf dem Gebiet der elektronischen Rechner ab. Zu erkennen ist das allein schon durch die erste Buchpublikation zum Thema Computerprogrammierung. Das Werk heißt »Die Vorbereitung von Programmen für elektronische Digitalrechner« und stammt von dem Wissenschaftsautor Maurice V. Wilkes.

Bisher wurden Computer nicht in Serienfertigung, sondern nur vereinzelt als riesige und extrem teure Spezialanlagen für wissenschaftliche Aufgaben oder für die Anwendung auf dem Gebiet militärischer Strategie gebaut. In den USA gründet die Firma Eckert and Mauchly Computer Company die UNIVAC-Handelsgesellschaft, die es sich zum Ziel setzt, programmierbare Elektronenrechner für den kaufmännischen Einsatz auf den Markt zu bringen. Als erstes Gerät dieser Art stellt sie den »UNIVAC I« vor, der zugleich der erste in Serienfertigung produzierte Computer der Welt ist. Eine erhebliche Bereicherung der Computertechnik ist die Einführung von neuen magnetischen Datenspeichermedien. Bei der US-amerikanischen Großrechenanlage »MARK III« ersetzen erstmals Magnetbänder die bisher üblichen Lochstreifen und Lochkarten als Peripherspeicher. Für die zentralen Speichereinheiten kommen ebenfalls neue Speicherelemente in Gebrauch: Ferritkerne.

Neue Werkstoffe bietet auch die chemische Industrie: Der bundesdeutsche Chemiekonzern BASF entwickelt einen sehr leichten Hartschaum aus Polystyrol. Das als »Styropor« vermarktete Material ist geschlossenporig und hat hervorragende Schall- und Wärmeisolationseigenschaften. Es eignet sich auch gut für die Herstellung von Verpackungsformteilen. In den USA werden erstmals Kunstfasern aus Polyacrylnitril erzeugt und unter dem Markennamen »Orion« angeboten. Wenig später kommen ähnliche Textilfasern als »Dralon« auf den deutschen Markt.

In der Landwirtschaft erobern – wie in den USA seit Jahren zu beobachten – große Erntemaschinen Mitteleuropa. Mehr und mehr wird die industrielle Produktion von der Großserienfertigung bestimmt. So bringen die Nürnberger Grundig-Werke den ersten UKW-Radioempfänger in großen Stückzahlen auf den Markt. Und die Kraftfahrzeugindustrie liefert in den Industrienationen so rationell gefertigte Personenautos, dass diese Fahrzeuge nicht mehr allein für die Oberschicht erschwinglich sind.