Die meisten fahren per Bahn

Verkehr 1950:

Das Verkehrswesen in der Bundesrepublik Deutschland ist 1950 noch stark von Kriegsfolgen beeinträchtigt. Wichtigster Verkehrsträger bleibt die Eisenbahn. Wegen des oft schlechten Straßenzustands und des kleinen Bestands an Kraftfahrzeugen (zugelassen sind am 1. Juli 1950 1,95 Mio. motorisierte Fahrzeuge) kommt dem Überlandstraßenverkehr eine geringe Bedeutung zu. Die Binnenschifffahrt spielt beim Gütertransport allmählich wieder eine größere Rolle, während die bundesdeutsche Seeschifffahrt immer noch Beschränkungen der Besatzungsmächte unterliegt und der Flugverkehr nur von ausländischen Gesellschaften betrieben werden darf.

Das Schienennetz der Bahn ist während des Zweiten Weltkriegs relativ intakt geblieben und auch nicht – wie in der DDR – durch Demontagen wesentlich verringert worden. Allerdings sind weiterhin über die Hälfte der Bundesbahnstrecken nur eingleisig befahrbar. 1950 gewinnt die Bahn deutlich an Effektivität, nachdem sie 1949 in Deutsche Bundesbahn umbenannt und einer zentralen Leitung unterstellt worden ist.

Die wachsende Zuverlässigkeit, das umfassendere Fahrplanangebot und der steigende Komfort der Züge, aber auch der Mangel an Alternativen führen dazu, dass 1950 vergleichsweise sehr viel mehr Menschen die Bahn benutzen als vor dem Krieg. Insgesamt werden knapp 1,3 Mio. Personen befördert, dies entspricht einer Indexzahl von 172,2 bei 1936 = 100.

Beim Gütertransport hat der Schienenverkehr dagegen trotz steigender Frachtmengen – rund 229 Mio. t und damit fast 2,5 Mio. t mehr als 1949 – den Vorkriegsstand noch nicht erreicht. Der Index der beförderten Güter liegt 1950 bei 83,5 (1936 = 100). Dies ist allerdings weniger auf mangelnde Kapazitäten der Bahn als auf die geringere Nachfrage zurückzuführen.

Im Personenverkehr erbringt die Eisenbahn 1950 im Bundesgebiet 37,7% der Verkehrsleistung; 32,8% entfallen auf den Individualverkehr, 29,4% auf den öffentlichen Nahverkehr, auf Busse im Überlandverkehr sowie Taxis und Mietwagen. Lediglich 0,1% des Personenverkehrs werden 1950 mit dem Flugzeug abgewickelt.

Trotz der Bedeutung der öffentlichen Verkehrsmittel zeigt sich eine Tendenz zur Individualisierung des Personenverkehrs: Die Zahl der Pkw hat sich gegenüber dem Vorjahr um 160 000 auf 515 000 erhöht, liegt aber immer noch um 200 000 unter dem Stand von 1938. Fast doppelt so viele Krafträder – etwa 914 000 – verkehren auf bundesdeutschen Straßen; gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs um 130 000 und 60 000 mehr als in der Vorkriegszeit. Auch die Zahl der Führerscheinbesitzer steigt sprunghaft an. Hatten 1949 noch rund 470 000 Bundesbürger eine Fahrerlaubnis erworben, sind es 1950 fast 720 000 .

Begünstigt wird der Individualverkehr durch die verbesserte wirtschaftliche Lage vieler Bundesbürger; hinzu kommt, dass Verkehrsbeschränkungen – etwa das Fahrverbot an Sonntagen – aufgehoben wurden. Abschreckend bleiben der schlechte Zustand vieler Straßen – nur 41% sind nicht reparaturbedürftig – und die drastische Erhöhung der Kraftstoffpreise.

Das Flugzeug spielt weiterhin fast keine Rolle im bundesdeutschen Verkehrswesen. Da die Besatzungsmächte die Lufthoheit bisher nicht in deutsche Hände zurückgegeben haben, darf die Bundesrepublik Deutschland u.a. keine eigene Fluglinie unterhalten, so dass der gesamte vorhandene Verkehr von ausländischen Luftfahrtgesellschaften abgewickelt wird.

Eine gewisse Bedeutung kommt dem Flugverkehr lediglich beim Transport von Importwaren aus dem Ausland sowie für den Güterverkehr zwischen Berlin (West) und dem Bundesgebiet zu. Insgesamt hat sich die Menge der per Flugzeug von und nach Flughäfen in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) transportierten Güter gegenüber 1937 auf rund 130 001 verdoppelt. Die Zahl der Flugpassagiere ist um 85 000 auf 321 000 angestiegen. Die allermeisten verreisen mit dem Auto.