Suche nach neuen Formen

Wohnen und Design 1951:

Die Diskrepanz zwischen den Ansprüchen von Designern und Innenarchitekten und der aktuellen Wohnraumwirklichkeit ist aufgrund der Kriegsfolgen Anfang der 50er Jahre noch besonders groß: Einerseits fehlt sechs Jahre nach Kriegsende immer noch Wohnraum, stehen vor allem Vertriebene auf der Straße, andererseits weisen Designer-Ideen zur kühnen und schwungvollen Gestaltung von Küche und Wohnstube bereits in eine Zukunft ohne Wohnraum- und Geldprobleme.

Trotz finanzieller »Kraftakte« bleibt der Wohnungsbau ein »Sorgenkind« der Bundesregierung: Eine Steigerung der Baukosten, Verzögerungen bei der Beschaffung von Hypotheken und Engpässe in der Kohleversorgung (<!– –>11.8.<!– –>) behindern die Fertigstellung notwendigen Wohnraums. Neben der Beseitigung der Kriegsschäden – in Westdeutschland waren von 10,5 Mio. Wohnungen 2,3 Mio. in einem irreparablen Zustand – musste Bonn mit Wohnungsbauprogrammen den Zustrom der Vertriebenen und Flüchtlinge bewältigen. 410 000 Wohnungen werden 1951 fertiggestellt

Der Bau von Wohnhäusern und Eigenheimen kann jedoch mit der Bevölkerungsentwicklung in den Großstädten der Bundesrepublik kaum mithalten.

Mit mehreren Gesetzesinitiativen strukturiert die Bundesregierung die Maßnahmen zur Bewältigung der Wohnraumnot: Besondere Förderung erhält der Bergarbeiterwohnungsbau (<!– –>26.9.<!– –>).

Für die Entwicklung eines modernen Designs werden neue Institutionen geschaffen: Der Bundestag beschließt eine »Stiftung zur Förderung der Formgestaltung«. Deren »Rat für Formgebung« hat seinen Sitz in Darmstadt. Die Stiftung, die dem Bundeswirtschaftsminister untersteht, soll die Wettbewerbsfähigkeit westdeutscher Güter durch ansprechende Gestaltung sichern. Der »Rat für Formgebung« schreibt jährlich einen Bundespreis »Gute Form« aus.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) organisiert einen »Arbeitskreis für industrielle Formgebung«. Im Jahr 1955 wird er in »Gestaltkreis beim BDI e.V. Köln« umbenannt.

Nach wie vor bleibt die klassische Wohnraumgestaltung bei den Käufern beliebt. Neuerungen, wie die auf der Mannheimer Möbelausstellung präsentierten »Boogie-Woogie«-Möbel, werden skeptisch aufgenommen. »Boogie-Woogie-Möbel, das sind, nach dem Jargon der Innenarchitekten, typische Schaufenstermöbel mit geschwungenen Linien, die sich ebenso verrenken wie die Paare bei modernen Tänzen«, erklärt das Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« den letzten Schrei auf dem Möbelmarkt in seiner Ausgabe vom 26. September. Im August des Jahres stellt die Baugemeinschaft »Neue Heimat« die sog. Boogie-Woogie-Möbel in Hamburg-Barmbeck aus. Auch hier stoßen die neuen Design-Ideen auf ein eher verhaltenes Echo. »Die Innenarchitekten klagen: Die Möbel hätten einen neuen zeitgemäßen Stil bekommen, aber niemand wolle sie sehen«, schreibt »Der Spiegel«.

Chroniknet