Bohnenkaffee duftet nur an Feiertagen

Ernährung, Essen und Trinken 1952:

Volle Regale und leere Geldbörsen kennzeichnen 1952 die Lage bei der Lebensmittelversorgung. Die Zeit des Hamsterns und Schlangestehens ist für die bundesdeutsche Hausfrau durch ein ausreichendes Warenangebot vorbei. Aufgrund hoher Preise muss sie sich bei ihren Einkäufen dennoch auf das Notwendigste beschränken. Daher stellt sich nun nicht mehr die Frage »Was gibt es zu kaufen?«, sondern »Was kann ich mir überhaupt leisten?«. Eine Ursache für den Preisanstieg bei Rind- und Schweinefleisch, Kartoffeln, Butter, Eiern und Bier, der gegenüber dem Vorjahr bis zu 30% beträgt, ist die Aufhebung der Preisbindung für eine Vielzahl von Waren. Nur an Feiertagen kann es sich die »normale« Hausfrau leisten, ein wenig Aufwand zu treiben. Neben dem Bohnenkaffee ist zu diesen Anlässen die Buttercremetorte ebenso unverzichtbar wie Erdbeer- oder Pfirsichbowle.

Während große Teile der Bevölkerung wegen der allgemeinen Teuerung die preiswertere Margarine statt Butter als Brotaufstrich verwenden, können sich Besserverdienende Dinge leisten, die es lange Zeit überhaupt nicht zu kaufen gab. Bohnenkaffee ist für einen Kilopreis von 32,50 DM – das entspricht dem Lohn eines Arbeiters für 18,5 Stunden – ebenso zu haben wie die bisherige Mangelware Zucker oder der helle Mehltyp, der bislang nicht ausgemahlen wurde, um im Ausland nicht den Eindruck des Luxus zu erwecken. Nach den Lebensmittelrationierungen in den Kriegs- und Nachkriegsjahren lassen sich viele Bundesbürger überreichliche Mahlzeiten schmecken. Ärzte warnen bereits vor den Risiken zu kalorien- und fettreicher Kost, die u. a. für Herz- und Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich sei.