Frauen entdecken die Hosenmode

Mode 1952:

Die Hose galt bis ins frühe 20. Jahrhundert ausschließlich als männliches Bekleidungsstück. Zunächst durch äußere Umstände der Nachkriegszeit erzwungen, wird das Hosentragen jetzt besonders für junge Frauen aktuell. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Frauen mehr aus praktischen Überlegungen in die Hosenbeine gestiegen, da sie den Vorzug der langen wärmenden Hosenbeine an kalten Wintertagen zu schätzen wussten. Der Einbruch in die männliche Modedomäne begann dabei zuerst in Großbritannien. Dort betätigten sich Frauen, die nach deutschen Bombardements zu Hilfstrupps eingezogen wurden, als Vorreiterinnen. In der Bundesrepublik waren es bei Kriegsende die sog. Trümmerfrauen, die meist Hosen aus dem Kleiderschrank des Ehemanns entführten, weil keine anderen, speziell für Frauen geschneiderte Hosen verfügbar waren. In den frühen 50er Jahren ist es der Einfluss des sogenannten US-amerikanischen Lebensstils, der das Hosentragen bei Frauen gesellschaftsfähig macht. Die Kleidung der US-amerikanischen Frauen, die mit den Besatzungssoldaten nach Europa kommen, ist farbenfreudiger als die der deutschen Frauen. Vor allem trägt die US-Amerikanerin auch die langen Damenhosen im Capri- oder Fischerstil. Um die Hüften bequem geschnitten, werden sie nach unten zur Wade hin so eng, dass in Knöchelhöhe ein kleiner seitlicher Schlitz erforderlich ist. Modisches Vorbild für den Anbruch der Hosenära bei allen modebewussten jungen Frauen in der Bundesrepublik Deutschland ist das Teenageridol, die US-amerikanische Schauspielerin Audrey Hepburn. Ihre knabenhafte Figur und die von ihr privat getragenen engen Hosen, mit Twinset oder lässig weitgeschnittenem Pullover kombiniert, gelten als nachahmenswert, besonders bei der Jugend. Dabei bestimmt diese legere Hosenmode besonders die Freizeitkleidung der Frauen in der Bundesrepublik. Im Beruf oder zu festlichen Angelegenheiten ist die Hose noch nicht »gesellschaftsfähig«.