Bundesbahn fällt im Wettbewerb mit Auto und Flugzeug zurück

Verkehr 1953:

Auf den bundesdeutschen Straßen rollen immer mehr Autos. Erstmals übersteigt der Pkw-Bestand in diesem Jahr die Millionengrenze. Am 1. Juli sind beim Kraftfahrt- Bundesamt 1,13 Mio. Personenwagen registriert, 125 000 mehr als ein Jahr zuvor und rd. fünfmal so viel wie 1948. Hinzu kommen 555 000 Lastkraftwagen und 2 Mio. Motorräder und -roller.

Der Autoboom des Wirtschaftswunders stellt die Verkehrsplaner zunehmend vor Probleme. In den Innenstädten kommt es zu Verkehrsstauungen, Parkplätze beginnen knapp zu werden. Das 128 000 km lange Straßennetz (davon 2120 km Autobahnen) muss dem wachsenden Kfz-Bestand angepasst werden. Sorge bereitet vor allem die drastisch steigende Zahl der Unfallopfer: Bei 445 699 Verkehrsunfällen auf den bundesdeutschen Straßen kommen 11 025 Menschen ums Leben, 45% mehr als im Jahr zuvor. Das Anwachsen des Straßenverkehrs geht mit einer anhaltenden Krise der Eisenbahn einher. Die Deutsche Bundesbahn erwirtschaftet 1953 einen Verlust von rd. 600 Mio. DM, obwohl das Fahrgastaufkommen mit 1,37 Mrd. beförderten Personen (7% mehr als 1952) nach einem Rückgang zu Beginn der 50er Jahre erstmals wieder ansteigt. Vor allem beim Güterverkehr hat die Eisenbahn jedoch Marktanteile an die Lkw-Konkurrenz verloren. Während sich das Güteraufkommen auf der Straße seit 1936 auf 204 Mio. t vervierfacht hat, ist das Frachtaufkommen der Bahn in dieser Zeit um 9 Mio. t auf 247 Mio. t zurückgegangen. Der Ende der 40er Jahre einsetzende rasante Aufschwung des Luftverkehrs hält unvermindert an. Zur steigenden Attraktivität dieses Verkehrsmittels trägt vor allem die immer größere Reisegeschwindigkeit der Flugzeuge bei. Die Flugzeit von London nach New York verkürzt sich z. B. auf sieben Stunden.