Ausbildungslage verbessert – Streit um Konfessionsschule

Bildung 1954:

Gleichzeitig mit der wirtschaftlichen und politischen Festigung der Bundesrepublik gewinnt auch das Bildungswesen neue Konturen – erste Erfolge sind z. B. im Bereich der Lehrberufe zu verzeichnen. Mit 911 000 wird 1954 in der Bundesrepublik die höchste Zahl an Schulabgängern seit dem Zweiten Weltkrieg registriert. Der größte Teil dieser Jugendlichen hat nach der Grundschule die Volksschule besucht (76%), 8% der Grundschulabgänger wechselten auf die Mittelschule und 16% nahmen die Hürde der Aufnahmeprüfung in die »Sexta« der Gymnasien.

1950 trat der von der Bundesregierung aufgestellte sog. Bundesjugendplan in Kraft. Mit seiner Durchführung soll die allgemeine Ausbildungssituation verbessert sowie der Jugend geholfen werden, »sich auf die künftige Verantwortung in Volk und Staat vorzubereiten«. Mit Mitteln des Bundesjugendplanes werden in diesem Jahr u. a. die Zahl der Lehrlingswohnheime auf 1200 mit 80 000 Plätzen erhöht sowie die Zahl anderer Einrichtungen zur Berufsförderung auf 1100 mit 40 000 Plätzen.

Im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahren finden fast alle Jugendlichen einen Ausbildungsplatz: Zum Ende des Jahres gibt es insgesamt 660 958 Lehr- und Anlernverhältnisse in Industrie, Handel und Gewerbe, davon 246 885 im ersten Lehrjahr; einige Branchen beklagen sogar, dass Facharbeiternachwuchs fehle.

Nach einer repräsentativen Umfrage der Universität Kiel unter der männlichen Stadtbevölkerung Schleswig-Holsteins werden bei den Lehrberufen Autoschlosser, Friseur und Tischler bevorzugt; insgesamt wird die Liste der Berufswünsche allerdings von akademischen Berufen wie Universitätsprofessor, Arzt und Studienrat angeführt. Aber auch der höhere Beamte (Regierungsrat) und der Fabrikdirektor stehen hoch im Kurs. Die bildungspolitische Auseinandersetzung des Jahres konzentriert sich auf die Frage der konfessionellen Gemeinschaftsschule, die am 1. Oktober in Niedersachsen zur Regelschule erhoben wird: Die katholische Kirche und katholische Organisationen sehen in der Auflösung der reinen Konfessionsschulen eine Beschneidung des Rechts auf konfessionell gebundene Erziehung und wehren sich vehement gegen die Einführung von Gemeinschaftsschulen.

An bundesdeutschen Universitäten sind im Wintersemester 1954/55 insgesamt 121 000 Studierende immatrikuliert, davon rund 21 000 Studentinnen. Der überwiegende Teil der Studenten – rund 74 000 – entstammt Beamtenfamilien oder den Familien von Selbstständigen, nur 4500 sind Arbeiterkinder. Während die Studenten grundsätzlich keine staatliche Unterstützung erhalten, räumt die Bundesregierung den zahlreichen Studenten, die aus der DDR in die Bundesrepublik gekommen sind, für die ersten beiden Semester nach dem Grenzübertritt eine Studienförderung ein.

Insgesamt stehen an den bundesdeutschen Hochschulen die Organisation eines geregelten Lehrbetriebes sowie der Wiederaufbau von bisher nur behelfsmäßig hergerichteten Lehrgebäuden und Studentenwohnheimen im Vordergrund der Bemühungen von Professorenschaft und Verwaltung