Gewinn der Fußballweltmeisterschaft überstrahlt alles

Politik und Gesellschaft 1954:

»Deutschland wird Fußballweltmeister« – mit diesem Ereignis verbinden viele Menschen in der Bundesrepublik das Jahr 1954. Der Sieg der Mannschaft um Bundestrainer Sepp Herberger gegen Ungarn löst bei den heimischen Fußballfreunden einen Begeisterungssturm aus.

Der sportliche Erfolg ist Symbol eines nach dem Zweiten Weltkrieg wiederentwickelten Selbstbewusstseins, denn die Mühen des wirtschaftlichen und politischen Wiederaufbaus finden 1954 auch international Anerkennung: Mit dem Abschluss der Pariser Verträge im Oktober wird die Bundesrepublik Deutschland aufgefordert, als gleichberechtigter Partner mit eigenen Streitkräften der NATO, dem westlichen Verteidigungsbündnis, beizutreten. Damit ist ein entscheidender Schritt zur Wiedererlangung der Souveränität getan. Trotz eindeutiger Absichtserklärungen der Regierung unter Bundeskanzler Konrad Adenauer markiert die Westintegration allerdings auch den Abschied von den Vorstellungen einer baldigen Wiedervereinigung, da auch die DDR die Aufstellung einer Armee ankündigt und von der UdSSR als souveräner Staat anerkannt wird.