Das Verkehrswesen wird modernisiert

Verkehr 1955:

Das Verkehrsaufkommen in der Bundesrepublik Deutschland ist in den letzten Jahren stetig angestiegen. Die Schattenseiten der Massenmotorisierung treten dabei immer deutlicher zutage: Das bestehende Straßennetz ist völlig überlastet, Staus sind an der Tagesordnung. Allein auf der zweispurigen Autobahn Köln-Ruhrgebiet werden 1955 von der Polizei im Durchschnitt täglich rund 53 000 Fahrzeuge gezählt. Um diesen Mangel zu beheben, beschließt die Bundesregierung den raschen Ausbau des Straßennetzes. Autobahnen sollen künftig die Bundesstraßen entlasten und ein zügiges und sicheres Reisen ermöglichen. Das Anfang des Jahres bestehende Netz der Bundesautobahnen mit einer Gesamtlänge von rund 2200 km soll innerhalb der nächsten zehn Jahre verdoppelt werden. Der dafür notwendige finanzielle Aufwand ist enorm. Da der Bau von einem Meter Autobahn rund 2400 DM verschlingt, veranschlagt die Bundesregierung die Kosten auf insgesamt rund 5 Mrd. DM.

Angesichts der wachsenden Zahl von Autos bemüht sich das Verkehrsministerium in Zusammenarbeit mit den Ländern, die Straßen sicherer zu machen. In mehreren Städten der Bundesrepublik Deutschland werden Verkehrsübungsplätze eingerichtet. In den Schülerlotsendiensten sorgen rund 10 000 Jugendliche für den sicheren Schulweg ihrer Klassenkameraden. In den Schulen soll die Verkehrserziehung intensiviert werden. Nicht zuletzt verfügt die Polizei 1955 über zwei Neuerungen, die ihre Aufgaben erleichtern und somit der Verkehrssicherheit dienen. In Hamburg wird das »Blaulicht« erprobt, mit dem die – bislang nur mit einem »Martinshorn« ausgerüsteten – Streifenwagen im Falle eines Einsatzes deutlich erkennbar sind. Dem Kampf gegen Verkehrssünder dient das erstmals erprobte »Blasröhrchen«, mit dessen Hilfe zuverlässig an Ort und Stelle festgestellt werden kann, ob ein Autofahrer zu tief in das Glas geschaut hat.