Forscher warnen vor Atommüll

Wissenschaft und Technik 1955:

Die Nutzung der Atomkraft für zivile Zwecke, die zunächst ungeahnte Möglichkeiten zum Segen der Menschheit zu bieten schien, erzeugt aufgrund alarmierender Mitteilungen einiger Wissenschaftler wachsendes Unbehagen. So entsteht mit der Inbetriebnahme von Atomkraftwerken in den USA und Europa das zuvor in seiner Tragweite nicht erkannte Problem des Atommülls und seiner Beseitigung.

Ausgebrannte Kernbrennstoffe, die noch für Jahrtausende gefährliche Strahlung abgeben, müssen in immer größeren Mengen gelagert werden. Während in den USA die riesigen Wüstengebiete als Lagerstätten eine praktikable Lösung zu bieten scheinen, beginnt in Europa die Diskussion über die Folgeschäden einer unkontrollierten Lagerung des stark strahlenden Materials. Viele Atommeiler sind in Bau – ohne Planung einer Entsorgung.

Scharfe Proteste löst z. B. die Entdeckung eines Lagers mit ausgebrannten Brennstäben in der Festung »Chatillon« bei Paris aus. Unbemerkt von der Öffentlichkeit ist hier stark radioaktives Material in provisorischen Zementbehältern abgestellt worden. Trotz der kritischen Stimmen bleiben die Prognosen vieler Atomforscher optimistisch. Britische Ingenieure planen den Bau der »JK 261«, eines Flugzeuges mit Atomantrieb. Der einzige Nachteil: Die Abschirmung des Atommeilers würde allein über 80 t wiegen.