Reklame wird immer wichtiger

Werbung 1955:

Aufgrund des wachsenden Wohlstands in der Bundesrepublik Deutschland ist die Kaufkraft der DM für die Bundesbürger stark gestiegen. Die Zeit des Mangels ist vorbei, so dass sich Produkte nicht mehr – wie noch in der unmittelbaren Nachkriegszeit – fast von selber verkaufen.

Der härter gewordene Kampf um die Gunst der Käufer zwingt die Unternehmen, immer mehr Geld für Reklame auszugeben. Dabei müssen sich die Werbeagenturen auf die Plakat-, Anzeigen- und Kinowerbung beschränken, da kommerzielle Fernseh- und Rundfunkspots – im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten und Großbritannien – in der Bundesrepublik Deutschland nicht ausgestrahlt werden.

Meist beinhalten die Anzeigen leicht verständliche Botschaften: Es werden Menschen, häufig beliebte Schauspieler oder Schlagersänger, gezeigt, die das beworbene Produkt gekauft haben, zufrieden sind und es deshalb weiterempfehlen. Eine Plakat- und Anzeigengestaltung, die auch künstlerischen Ansprüchen gerecht wird, ist dagegen eher selten. In den USA werben die Unternehmen bereits mit subtileren, neueste Erkenntnisse der Psychologie berücksichtigenden Methoden. So strahlt das Fernsehen Filme aus, die durch extrem kurz dauernde Werbebotschaften unterbrochen werden. Auf diese Weise können nach Ansicht von Psychologen Slogans im Unterbewusstsein verankert werden und einen Kaufreiz auslösen. Die Wirksamkeit der Methode ist jedoch umstritten. Außerdem stößt diese manipulative Verkaufsförderung in weiten Kreisen der Öffentlichkeit auf Ablehnung.

Ähnlich verhält es sich mit einer weiteren Idee der Verkaufspsychologen. In den USA, wo der Kampf um Marktanteile und Umsatzziffern sich immer härter gestaltet, wird ein neues Konzept für den Bau von Supermärkten erprobt. Der Fußboden ist nicht wie allgemein üblich eben, sondern leicht in Richtung Ladeninneres geneigt. Dadurch soll der Kunde nach Betreten des Supermarktes mit seinem Einkaufswagen in den Laden »gezogen« werden. Um das Geschäft verlassen zu können, ist dagegen eine – nur vom Unterbewusstsein so empfundene – größere Kraftanstrengung nötig.