Souveränität für beide deutsche Staaten: Bundesrepublik Mitglied in der NATO, DDR im Warschauer Pakt

Politik und Gesellschaft 1955:

Politisch wird auch das Jahr 1955 vom Ost-West-Konflikt bestimmt. Dabei sind zwei gegenläufige Tendenzen erkennbar. Auf der einen Seite verfestigen sich die politischen und militärischen Blöcke, deren Trennlinie mitten durch Deutschland verläuft. Deutlicher Ausdruck ist die Gründung des Warschauer Paktes, des von der Sowjetunion dominierten östlichen Militärbündnisses. Auf der anderen Seite sind beide Machtblöcke um eine Entspannung des Ost-West-Gegensatzes und damit um eine Minderung der Kriegsgefahr bemüht. Das Genfer Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der USA, Großbritanniens, Frankreichs und der Sowjetunion endet allerdings ohne konkrete Ergebnisse. Dennoch lässt der »Geist von Genf« viele Menschen auf politische und militärische Entspannung hoffen.

Von zentraler Bedeutung ist dabei nach wie vor die deutsche Frage. 1955 ist das Jahr, in dem sowohl die Bundesrepublik Deutschland als auch die DDR ihre staatliche Souveränität erhalten. Damit ist die Teilung Deutschlands auf unabsehbare Zeit festgeschrieben, was in Westdeutschland zu leidenschaftlich geführten Kontroversen um die von Bundeskanzler Konrad Adenauer durchgesetzte Ratifizierung der Pariser Verträge führt. Vor allem die Sozialdemokraten und die Gewerkschaften warnen vor der Festigung der Spaltung infolge der Verträge, mit deren Abschluss auch der Beitritt der Bundesrepublik zur NATO und damit die Aufstellung eigener Streitkräfte verbunden ist. Immer wieder wird von der Opposition der Vorwurf gegen Adenauer erhoben, um der Westintegration willen sei er bereit, den Preis der deutschen Teilung zu zahlen.