45-Stunden-Woche setzt sich durch

Arbeit und Soziales 1956:

In der Bundesrepublik Deutschland haben sich in den vergangenen Jahren die wirtschaftlichen Verhältnisse grundlegend gewandelt. Infolge der günstigen Konjunktur ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt entspannt. Während 1950 noch rund 10,7% ohne Arbeit waren, beträgt die Arbeitslosenquote 1956 nur noch 5,5%.

Die Wirtschaftskraft der Bundesrepublik macht sich auch in der Lohntüte der Arbeitnehmer bemerkbar. Das verfügbare Einkommen aller Privathaushalte beträgt 1956 bereits mehr als 108 Mrd. DM (1951: 67,8 Mrd. DM; 1954: 88,6 Mrd. DM). Der zunehmende Wohlstand zeigt sich an der gestiegenen Sparquote: Sie lag 1951 noch bei 4% und beträgt 1956 bereits 6,1%.

Die Gewerkschaften fordern jedoch eine stärkere Beteiligung der Arbeitnehmer am »Wirtschaftswunder«. Der Durchschnitts-Bruttolohn der rund 18 Mio. bundesdeutschen Arbeitnehmer beträgt zur Zeit etwa 377 DM im Monat. Höhere Löhne, bessere Sozialleistungen und kürzere Arbeitszeiten stehen im Mittelpunkt der Tarifverhandlungen des Jahres 1956. Dabei können die Gewerkschaften spektakuläre Erfolge erzielen. In der Metallindustrie einigen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber nach zähen Verhandlungen, die von Streiks begleitet werden, auf die Einführung der 45-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Auch in der Textil- und Bekleidungsindustrie gehört die 48-Stunden-Woche der Vergangenheit an: Die Gewerkschaften erzwingen am 1. April 1956 ebenfalls die 45-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich.