Kompakte Möbel, praktische Einbauküchen und Nierentische

Wohnen und Design 1956:

In der Bundesrepublik Deutschland herrscht trotz »Wirtschaftswunder« und wachsenden Wohlstands immer breiterer Kreise der Bevölkerung Wohnungsnot. Vor allem preiswerter Wohnraum ist knapp. Bund, Länder und Gemeinden bemühen sich jedoch im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus um Abhilfe. Seit Gründung der Bundesrepublik (1949) konnten insgesamt rund 2,2 Mio. Sozialwohnungen fertiggestellt werden, davon allein 1956 mehr als 300 000 . Diese Zahl entspricht etwa der aller bisher in der DDR gebauten Wohnungen: In dem anderen deutschen Staat, der vor großen wirtschaftlichen Problemen steht, konnten zwischen 1949 und 1956 rund 297 000 Neubauwohnungen an die Mieter übergeben werden.

Die meisten Deutschen müssen auf den Komfort einer Neubauwohnung verzichten. So verfügen nur rund 45% der bundesdeutschen Mietwohnungen über Bad oder Dusche; mehr als 20% der Mieter müssen sich eine Toilette mit Nachbarn teilen. Auch die bequeme Zentralheizung ist die Ausnahme: Rund 90% der Wohnungen haben Ofenheizung.

Aber auch die Neubauwohnungen haben Nachteile. Sie sind zwar modern und komfortabel, aber recht eng: Die Architekten gehen für eine vierköpfige Familie bei ihren Planungen von einer Fläche von rund 50 m2 aus. Die Möbelindustrie hat sich bereits auf diese Situation eingestellt. Sie bietet eine große Palette an raumsparenden Möbeln an. In der Küche zeigt sich der Trend zur kompakten Einrichtung besonders deutlich. Einbauküchen bieten trotz geringen Platzbedarfs viel Stauraum. Um den Hausfrauen die Arbeit zu erleichtern, haben die Hersteller die Küchenmöbel mit pflegeleichten und robusten Kunststofffronten versehen. Dabei kommt trotz aller Funktionalität der modische Chic nicht zu kurz: Die Einbauküchen sind in freundlichen Pastelltönen erhältlich. Elektrogeräte wie Kühlschrank und Herd sind integriert und in Form, Dekor und Farbgebung aufeinander abgestimmt.

Lampen mit tütenförmigen Schirmen, nierenförmige Tische, an Drahtgestellen angebrachte Regale und Schalensessel mit schräggestellten Beinen haben in die bundesdeutschen Wohnzimmer Einzug gehalten. Gefragt sind runde, fließende Formen, die leicht wirken, so dass auch kleine Räume nicht überladen werden. Tapeten, Vorhänge und Teppichböden – immer beliebter wird die sog. Auslegware – sind in aufeinander abgestimmten, leicht abgetönten Farben erhältlich.