Neuartige Kühlung mit Gas

Wissenschaft und Technik 1956:

Der in Calder Hall im Norden Großbritanniens errichtete neuartige Reaktortyp »Magnox« arbeitet im Reaktorkern erstmals mit Gas statt wie bisher üblich mit Wasserkühlung. Gas führt hier die in den Brennelementen erzeugte Wärmeenergie zur weiteren Nutzung ab. Eine zweite Funktion des sonst verwendeten Kühlwassers ist das »Moderieren«, d. h. Bremsen der freigesetzten Neutronen auf das für die Aufrechterhaltung der Kettenreaktion erforderliche Geschwindigkeitsniveau. Da Gas sich jedoch nicht als Moderator eignet, werden im »Magnox«-Reaktor Graphitstäbe eingesetzt.

In der Bundesrepublik Deutschland soll die Erforschung und Nutzung der Kernenergie in Großanlagen vorangetrieben werden, die von der Industrie unabhängig sind. Als Träger dieser Bestrebungen werden 1956 das Kernforschungszentrum Karlsruhe, die Kernforschungsanlage Jülich und die Kernreaktorbau- und -betriebsgesellschaft gegründet.

Mit der Gammastrahlenkamera erfindet der US-amerikanische Physiker Hal Anger ein neuartiges, in der Medizin einsetzbares kerntechnisches Instrument. Sie wird schon bald ein wichtiges Hilfsmittel in der klinischen Diagnose. Anger »markiert« innere Organe mit geeigneten schwach radioaktiven Kontrastmitteln wie etwa Bariumbrei oder Radionukliden (z. B. Kobaltisotope). Die von den Organen ausgehende Strahlung wird von der Kamera registriert und in sog. Radiogrammen oder Gammagraphien dargestellt. Auf diese Weise können körpereigene Systeme abgebildet und vom Mediziner beurteilt werden.

Rein auf dem Gebiet wissenschaftlicher Forschung liegt die Entdeckung des Antiprotons durch den US-amerikanischen Wissenschaftler Emilio Gino Segré am »Bevatron« der Universität Berkley (US-Bundesstaat Kalifornien). Dabei handelt es sich um ein dem Proton entsprechendes, aber entgegengesetzt geladenes Elementarteilchen.