Reiselust der Deutschen steigt

Urlaub und Freizeit 1956:

Bereits jeder fünfte Bundesbürger nutzt die »schönsten Wochen des Jahres« für eine Urlaubsreise.

Während die deutschen Hotels und Pensionen 1952 rund 54 Mio. Übernachtungen registrieren konnten, sind es 1956 bereits mehr als 80 Mio. Zeitgenossen mit einem schmalen Geldbeutel sparen die Hotelkosten und übernachten auf einem der immer zahlreicheren Campingplätze. Rund 90% der Reisenden verbringen ihre Ferien in der Bundesrepublik Deutschland. Bevorzugte Ziele sind Nordseebäder und die Mittelgebirge. Ein gesundheitsfördernder Urlaub ist besonders beliebt: Die Fremdenverkehrsämter berichten im Jahr 1956 von insgesamt rund 33 Mio. Übernachtungen in Heilbädern und Luftkurorten.

Steigende Bedeutung erlangt der grenzüberschreitende Reiseverkehr. Immer mehr Ausländer entdecken das Reiseland Deutschland. 1956 werden von Ausländern fast 8 Mio. Übernachtungen gebucht (1952: 4,3 Mio.). Die Deviseneinnahmen aus dem Fremdenverkehr übersteigen erstmals die Milliarden-Grenze. Vor allem US-amerikanische Touristen, rund 15% der ausländischen Urlaubsgäste, füllen die Kassen der bundesdeutschen Hoteliers.

Aber auch viele Deutsche unternehmen eine Reise ins Ausland. Exotische Urlaubsländer wie die Bahamas oder Thailand stehen – nicht nur aus finanziellen Gründen – noch nicht so hoch im Kurs: Das in Meinungsumfragen ermittelte »Traumziel« der Deutschen ist wie auch schon in den vergangenen Jahren Italien, gefolgt von Österreich, Spanien und der Schweiz. Die meistgenutzten Verkehrsmittel auf dem Weg zum Urlaubsort sind die Bahn (50%) und das Auto (25%). Bereits 0,3% der deutschen Urlauber wählen 1956 die bequemste und schnellste, aber auch teuerste Art der Fortbewegung: das Flugzeug. Die Veranstalter bieten 1956 erstmals einem größeren Kundenkreis mit viel Erfolg Pauschalreisen zu Zielen wie Mallorca an, die in Deutschland noch weitgehend unbekannt sind.