Sozialismus am Scheideweg: Stalinkritik, Posener Aufstand, Ungarns Austritt aus dem Warschauer Pakt

Politik und Gesellschaft 1956:

1956 gärte es im Ostblock: Reformierung des kommunistischen Systems oder Fortsetzung des diktatorischen Regimes – welcher Kurs würde sich durchsetzen? Auf dem XX. Parteitag der KPdSU legte Parteichef Nikita S. Chruschtschow in einer sensationellen Rede einen Teil der von Josef W. Stalin begangenen Verbrechen offen. Trotz aller Geheimhaltungsmaßnahmen veröffentlichte die »New York Times« nach wenigen Wochen den Redetext. Alle Welt konnte feststellen, dass in den kommunistisch beherrschten Staaten Kritik an der Rolle Stalins einsetzte. Gleichzeitig sollten vorsichtige Reformen den Sozialismus in der Sowjetunion attraktiver machen.

Auch Polen leitete unter Wladyslaw Gomulka Reformen ein, nachdem die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung sich im Posener Aufstand Luft gemacht hatte. Der ungarische Freiheitsdrang ging Moskau allerdings entschieden zu weit. Als Ungarn das Mehrparteiensystem wieder einführte und seinen Austritt aus dem Warschauer Pakt erklärte, befahl der Kreml die militärische Intervention.