Ballon-Look und Capri-Hose

Mode 1957:

Wenngleich Couturiers aus anderen Städten der Welt mehr Einfluss auf die Modelinie gewinnen, ist auch 1957 noch die Haute Couture aus Paris – allen voran die Schöpfungen Christian Diors – tonangebend für die übrige Modewelt.

Die Pariser Frühjahrs- und Herbstkollektionen 1957 stehen ganz im Zeichen der Sacklinie. Die in diesem Stil kreierten Kleider sind überweit und lassen Körperformen nur noch erahnen. Die Schultern sind abgerundet, die in Raglanform eingesetzten Ärmel extrem weit.

Als Weiterentwicklung der Sackform kommt 1957 auch die Tonnenlinie in Mode, bei der die abgerundete Silhouette der Schultern auch am Saum beibehalten wird, so dass der Eindruck einer Tonne oder eines Fasses entsteht.

Der Modeschöpfer Hubert de Givenchy variiert die Sacklinie zu seinem Ballon-Look: Hierfür werden weite, krinolineartige Röcke am Saum durch ein Band eng zusammengerafft, so dass der Rock sich ballonartig aufbauscht. Dieser Schnitt findet zunächst vor allem für Cocktailkleider großen Anklang, kommt dann jedoch schnell wieder aus der Mode, weil die Kleider schnell knittern und schwer zu bügeln sind.

In der Bundesrepublik beschränken sich die meisten Modeschöpfer darauf, die ausgefallenen Pariser Modelle so abzuwandeln, dass sie auch für breitere Schichten akzeptabel und tragbar werden. Der Berliner Heinz Oestergaard stellt 1957 neben eleganter Tages- und Abendgarderobe nach französischen Vorbildern erstmals auch eine College-Linie für junge Damen vor.

Die jüngeren Frauen orientieren sich jedoch zumeist ohnehin nicht an dem in Paris oder Berlin (West) kreierten Stil der Modeschöpfer, sondern an der Kleidung von Filmstars wie Gina Lollobrigida, Anita Ekberg oder Rita Hayworth und Schlagersängerinnen.

Als Modevorbild dient u. a. die französische Filmschauspielerin Brigitte Bardot, deren Pferdeschwanzfrisur und Schmollmundgesicht vielfach kopiert werden. »La B. B.« macht außerdem weite Petticoatkleider mit Volants und Rüschen modern. Den Gegentyp dieses Frauenbildes verkörpert die knabenhaft schlanke Audrey Hepburn, deren Freizeitkleidung – enge Hosen und überweite Pullover – ebenfalls in vielfältigen Varianten zu sehen ist. Beliebteste Form der Freizeithose ist im Sommer 1957 die gestreifte Fischer- oder Caprihose, die bis zur halben Wade reicht. Zur Fischerhose gibt es einen passenden Wickelrock, der ggf. rasch wieder zu einem »gesellschaftsfähigen« Aussehen verhilft. In der Herrenmode gibt es 1957 wenig Bewegung. Allgemein wird der Sakkoanzug ohne modische Extravaganzen als für jeden Anlass passende Kleidung bevorzugt. Die Anzüge werden jedoch allmählich figurbetonter mit leicht tailliertem Schnitt und abgerundeten Schultern. Dazu werden weiße Hemden – immer häufiger aus knitter- und bügelfreiem Nylon – und sehr schmale, dezent gemusterte Krawatten getragen.