Pro und contra Automation

Arbeit und Soziales 1957:

Die Automatisierung von Arbeitsprozessen in der Industrie und die Diskussion über Vor- und Nachteile dieser zweiten industriellen Revolution bestimmen das Arbeitsjahr 1957. Ermöglicht wird die Automatisierung durch Fortschritte im Bereich der Elektronik, so dass vielfach Steuerungs- und Regelungsfunktionen von Maschinen übernommen werden können.

Diese Entwicklung, die in den USA schon bald nach Ende des Zweiten Weltkriegs einsetzte, greift 1957 immer mehr in Europa Raum. Die Anlagen in der Bundesrepublik sind jedoch noch relativ unflexibel und nur auf Massenproduktion ausgerichtet. Viele Unternehmen scheuen wegen der hohen Investitions- und Fixkosten vor der Einführung der Automation zurück. Von Seiten der Gewerkschaften wird ein Mitspracherecht bei der Einrichtung der neuen Technologie gefordert. Die Arbeitnehmer befürchten einen neuerlichen Zuwachs der Arbeitslosenzahlen, nachdem erst im Jahr 1956 ein entscheidender Rückgang der Erwerbslosigkeit erreicht wurde.

Dem steht die Überzeugung der Unternehmer gegenüber, dass die freigesetzten Arbeitskräfte leicht in anderen Bereichen des Betriebs – etwa als Aufsichts- und Wartungspersonal – oder in anderen nichtautomatisierten Branchen eingesetzt werden können.

Weiterer Streitpunkt bei der Einführung der Automation ist eine mögliche Überproduktion, die durch die schnelleren Fertigungstechniken verursacht werden könnte. Dem wird entgegengehalten, dass die gestiegene Nachfrage nur durch höheren Produktionsausstoß befriedigt werden könne.