»Verliebte werden verliebter …«

Werbung 1957:

Mit zunehmender Vielfalt von Produkten und Herstellern bei gleichzeitig wachsender Kaufkraft und Konsumbereitschaft der Bundesbürger spielt in der Werbebranche immer häufiger die sog. Motivforschung eine Rolle, die in den Vereinigten Staaten bereits seit Jahren einen Großteil der Werbestrategien beeinflusst.

Dabei versuchen die Werber nicht mehr nur einen Produktnutzen an den Konsumenten zu bringen, sondern versprechen darüber hinaus emotionale Effekte, die das beworbene aus der Masse der gleichartigen und häufig auch gleichwertigen Produkte heraushebt. So verspricht ein deutscher Sekthersteller 1957: »Verliebte werden verliebter beim kultivierten Genuss des lieblich duftenden, belebenden Sektes von Söhnlein.« Ebenso wird in der Werbung für andere Alkoholika, Zigaretten u. ä. suggeriert, das Produkt könne besondere Gefühle, attraktive Freizeitbeschäftigungen oder das Flair eines »modernen Menschen« herbeizaubern.

Neben dieser modernen Art der Werbung setzen die Reklamestrategen jedoch nach wie vor auf die Überzeugungskraft des Altbewährten. Hinweise auf das Gründungsdatum der Herstellerfirma sollen die Qualität des Produktes ebenso belegen wie die Vokabeln »millionenfach bewährt«, »nach Hausfrauenart« u. a.

Beliebt sind andererseits auch Hinweise auf die Modernität einer Ware – dies vor allem bei elektrischen Haushalts- und Küchengeräten, die der Hausfrau nicht nur die Arbeit erleichtern, sondern ihr zugleich Zeit für ihre wichtigsten Aufgaben bescheren sollen – der Sorge für Mann und Kinder.