Zwischen Moderne und Barock

Wohnen und Design 1957:

Zwölf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist in der Bundesrepublik der Bestand an Wohnungen zwar wieder beträchtlich gewachsen – Anfang 1957 gibt es rund 13,8 Millionen Wohnungen gegenüber 10,3 Millionen sechs Jahre zuvor -, der Fehlbestand wird jedoch immer noch auf etwa zwei Millionen Wohnungen geschätzt. Aufgrund des Wohnungsmangels, aber auch wegen der vergleichsweise geringen Wohnfläche (durchschnittlich etwa 60 bis 65 m2 pro Wohnung) leben viele Menschen nach wie vor in beengten Verhältnissen.

Die Ausstattung der Wohnungen mit Badezimmern verbessert sich allmählich: 1957 haben 90,1% der in diesem Jahr fertiggestellten Wohnungen ein eigenes Bad, insgesamt verfügen rund 32% der Bundesbürger über ein Badezimmer in ihrer Wohnung.

Als Wärmequelle dient den meisten die Ofenheizung. Über 92% der Wohnungen in der Bundesrepublik werden 1957 auf diese Weise beheizt, bei den in diesem Jahr fertiggestellten Wohnungen sind es noch 86,9%.

Die Innenarchitekten, die auf der Internationalen Bauausstellung in Berlin (West) – Interbau – 1957 Wohnungsbestand in der Bundesrepublik am 25. September 1956:113 760 400 (in Klammern öffentlich geförderter sozialer Wohnungsbau) eine breite Palette für modernes Design präsentieren, lassen in ihren Entwürfen vor allem drei Schwerpunkte erkennen:

Die auf der Interbau ausgestellten Wohnungseinrichtungen zeichnen sich deshalb vor allem durch klare schmale Formen aus, auf Polster, Schnörkel und Zierat wird weitgehend verzichtet. Die Möbel wirken grazil und lassen sich mühelos transportieren, was große Mobilität innerhalb der Wohnung und bei einem Umzug ermöglicht. Als Materialien werden helles Holz und Kunststoffe bevorzugt.

Viele Bundesbürger scheinen indes die modernen Einrichtungen als unbehaglich und wenig individuell zu empfinden: So macht sich als deutliche Gegentendenz zu dem modernen praktischen Mobiliar ein Trend zu Antiquitäten bemerkbar. Beliebte Quellen für Antikes vom schweren Eichenschrank bis zur barocken Hausmadonna sind die Speicher und Dachböden auf Bauernhöfen sowie kleine Trödlerläden und -märkte.