Flugzeug überflügelt Schiff

Verkehr 1958:

Im Reiseverkehr bahnt sich 1958 ein Umschwung an, nachdem im Transatlantikverkehr erstmals mehr Passagiere das Flugzeug als das Schiff benutzen. Rund 1,2 Millionen Menschen fliegen auf dem Weg von Europa nach Amerika und zurück, dies sind 17,5% mehr als im Jahr zuvor. Mit dem Schiff legen rund 959 000 Personen die Strecke zurück, 7,5% weniger als 1957. Vor zehn Jahren wurden noch 637 000 Schiffs- und 240 000 Flugpassagiere über den Atlantik registriert.

Während beide Verkehrsmittel preislich etwa gleichauf liegen – in der Hochsaison kostet eine Schiffspassage in der Touristenklasse zwischen 203 und 255 US-Dollar (rund 445 bzw. 560 DM), ein Flug in der neueingeführten billigeren Economyclass 290 US-Dollar (etwa 635 DM) -, ist das Flugzeug zeitlich weit überlegen. Dieser Vorteil wird noch durch die Einführung von Düsenmaschinen im Transatlantikpassagierverkehr ausgebaut. Das erste Düsenflugzeug im Linienverkehr, eine »Comet IV« der britischen Fluggesellschaft BOAC, die am 14. Oktober von New York aus zu ihrem ersten regulären Flug nach London startet, benötigt statt bisher 15 nur sechs Stunden. Auch in der Bundesrepublik macht sich der Wandel zugunsten neuer Verkehrsmittel stärker bemerkbar. Schienenfahrzeuge werden in steigendem Maß durch Omnibusse ergänzt und abgelöst.

Allerdings bleibt die Eisenbahn noch immer das dominierende Transportmittel für Güter, aber auch im Reiseverkehr.

Problematisch bleibt die Situation der Bundesbahn jedoch wegen des weiter bestehenden Defizits, das 1958 dank der Preiserhöhungen zwar von 409 Millionen DM in 1957 auf 270 Millionen DM reduziert werden kann, das aber dennoch die anstehenden Umstrukturierungen erschwert. So sind von den 31 046 Bahnkilometern lediglich 3200 für elektrischen Betrieb ausgelegt. Entsprechend sind 8731 der 10 104 Lokomotiven der Deutschen Bundesbahn mit Dampf betrieben, 840 werden durch Elektrizität und 533 mit Dieselkraftstoff angetrieben.

Mit zunehmendem Wohlstand leisten sich die Bundesbürger nun immer häufiger ein eigenes Auto. Mit 2,8 Millionen Pkw im Bundesgebiet am 1. Juli 1958 hat sich die Zahl innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppelt.

Die als Folge des hohen Verkehrsaufkommens in die Höhe geschnellten Unfallzahlen gehen, was die Unfälle mit Personenschaden betrifft, dank der 1957 eingeführten Geschwindigkeitsbegrenzung in geschlossenen Ortschaften auf 50 km/h zurück. 1958 werden 11 927 Menschen im Straßenverkehr getötet (1957: 12 687 ), 358 044 tragen Verletzungen davon (1957: 360 421 ). Dabei erhöht sich die Gesamtzahl der Unfälle von 644 326 im Vorjahr auf 715 453.