Stahl-Glas-Konstruktionen

Architektur 1958:

Die architektonische Entwicklung in der Bundesrepublik wie in einigen anderen Staaten Europas ist auch 1958 noch von der kriegsbedingten Notwendigkeit bestimmt, dringend benötigten Wohnraum in möglichst kurzer Zeit fertigzustellen. Vor allem Mietwohnungsblocks werden deshalb in erster Linie unter funktionalen Gesichtspunkten gebaut. Neue Bauweisen, wie sie u.a. auf der Internationalen Bauausstellung 1957 in Berlin (West) präsentiert wurden, bleiben die Ausnahme.

Da einerseits die Kernstädte immer dichter besiedelt sind, ländliche Ausweichgebiete aber nur über eine schlechte Infrastruktur verfügen, gehen die Stadtplaner dazu über, Trabantenstädte am Rande von Ballungsgebieten zu errichten. So wurde 1957 der Grundstein für die Neue Vahr in Bremen gelegt, die im Zeilenbau entsteht.

Mehr Individualität können dagegen Eigenheimbesitzer beweisen, sofern sie die höheren Baukosten aufbringen. Bevorzugte Materialien sind hier Stahl und Beton mit möglichst umfangreichen Fensterpartien, die den Innenräumen Helligkeit und Weite geben.

Stahl, Beton und Glas sind auch Hauptbaustoffe bei den Büro- und Verwaltungsgebäuden, nach denen mit Anwachsen der Dienstleistungsbereiche in der Wirtschaft eine immer größere Nachfrage besteht. Die hohen schlanken Gebäude beherbergen vorzugsweise Großraumbüros mit versetzbaren Wänden, die den Raum je nach Bedarf unterteilen können. In diesem Stil ist z. B. das 1958 fertiggestellte Verwaltungsgebäude der italienischen Firma Pirelli in Mailand gebaut, das von der Architektengruppe Giovanni Ponti, Arturo Danussi, Antonio Fornaroli, Edigio Dell’Orto, Alberto Rosselli, Giuseppe Valtolina und Pier Luigi Nervi entworfen wurde.

Ebenfalls diesem Baustil entsprechen die zahlreichen öffentlichen Gebäude (u. a. der Oberste Gerichtshof, der Präsidentenpalast und die Kongressgebäude), die der Architekt Oscar Niemeyer für die geplante neue Hauptstadt Brasiliens – Brasilia – 1958 entwirft.

Gebäude, die vom international vorherrschenden Stil abweichen, entwerfen vor allem die skandinavischen Baumeister, darunter der Finne Alvar Aalto, der neben zahlreichen Bauten in Helsinki und anderen Städten seiner Heimat auch außerhalb Finnlands Projekte entwirft. 1958 liefert er u. a. Pläne für ein Wohnhochhaus im Bremer Neubaugebiet Neue Vahr und für das Wolfsburger Kulturzentrum.

Einen Namen macht sich auch der Schwede Sven Markelius, der zwar kaum noch mit eigenen Entwürfen in Erscheinung tritt, als Leiter des Stockholmer Stadtplanungsamtes jedoch großen Einfluss ausübt.