Funktionalität – das Gebot der Stunde

Wohnen und Design 1959:

Am Ende der 50er Jahre sind die Bundesbürger auf dem besten Wege, ein Volk von Eigenheimbesitzern zu werden. 1959 ist jede siebte Familie Mitglied einer Bausparkasse. Rund 70% der Bausparer sind wirtschaftlich Unselbstständige, allein 40% weist die Statistik als Arbeiter aus.

Das Bundeswohnungsbauministerium beschließt Zinszuschüsse in Höhe von 6 Millionen DM für die Neubauförderung »Besser und schöner wohnen«. Mit Stolz weist die Bundesregierung auch auf ständige Qualitätsverbesserungen im sozialen Wohnungsbau hin. 1955 waren lediglich 73% der Neubauten mit Bädern ausgerüstet, 1959 sind es bereits mehr als 90%. Nach Ansicht des Bundes Deutscher Architekten hat der soziale Wohnungsbau jedoch einmalige Chancen auf städtebaulichem und künstlerischem Gebiet vertan.

Bei der Inneneinrichtung ist Funktionalität das Gebot der Stunde, zum einen aus Gründen des Platzmangels, zum anderen aus dem Bedürfnis nach einer Abkehr von bürgerlichen Repräsentationsformen der Vergangenheit. Soll in einem Raum zugleich gewohnt, gegessen und gearbeitet werden, so ist der Bewohner an einer funktionalen und pflegeleichten Einrichtung interessiert. Die Möbelindustrie reagiert auf solche Kundenbedürfnisse mit einem breiten Angebot an gut durchdachten Schrankeinheiten, die viel nutzbaren Raum bieten. Schiebetüren oder Klappen helfen zusätzlich, Platz zu sparen. Schlanke Füßchen und Hängekonstruktionen sorgen für Leichtigkeit und Raumweite. Bevorzugtes Material für etwas höhere Ansprüche ist das indische Teakholz, aus dem vom Salzfass bis zum Bücherschrank fast alles hergestellt wird, was zu einer mitteleuropäischen Wohnungseinrichtung gehört.

Im Constanze-Verlag erscheint im Dezember die erste Ausgabe einer neuen Zeitschrift: »Schöner Wohnen« wendet sich an alle, »die ein behagliches Heim und eine gepflegte häusliche Atmosphäre wünschen«.