Ende der Ära Adenauer: Ludwig Erhard wird Kanzler

Ende der Ära Adenauer: Ludwig Erhard wird Kanzler
Als Wirtschaftsminister, 25. April 1963, Bundesarchiv, B 145 Bild-F015320-0001 / Patzek, Renate / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1963:

In der Innenpolitik der Bundesrepublik kam es gleich zu Beginn des Jahres zu Auseinandersetzungen über die positive Haltung der Bonner Regierung gegenüber der antibritischen Politik de Gaulles. Weite Kreise lehnten eine Unterzeichnung des Deutsch-Französischen Vertrages ab, da sie ihn als einen Affront gegenüber den übrigen Verbündeten in Europa empfanden.

Diese unterschiedlichen Ansichten waren u. a. Grund für eine Kontroverse zwischen Bundeskanzler Konrad Adenauer und Wirtschaftsminister Ludwig Erhard. Adenauer, der sich nach langem Zögern 1963 zu seinem Rücktritt entschloss, wollte – allerdings erfolglos – die Kanzlerschaft des von der CDU-Fraktion gewählten Nachfolgers Erhard verhindern.

Adenauers Demission am 15. Oktober setzte eine Zäsur in der Geschichte der Bundesrepublik. Eine Ära, geprägt von seinen außen- und innenpolitischen Vorstellungen, ging zu Ende. Mit Vehemenz hatte Adenauer seit seinem Amtsantritt 1949 den Anschluss Deutschlands an das westliche Bündnis betrieben, verbunden mit einer konsequenten Abgrenzung vom Machtbereich der Sowjetunion. Entgegen dieser Politik, die zu einer Vertiefung der Spaltung Deutschlands führte, wies der SPD-Politiker Egon Bahr am 15. Juli in seiner Rede »Wandel durch Annäherung« erstmals auf die Notwendigkeit von Gesprächen mit Vertretern aus der DDR hin.

Das Passierscheinabkommen für Westberliner Bürger im Dezember war ein erstes Ergebnis einer sich abzeichnenden realistischeren Haltung der Bundesregierung gegenüber dem Status quo in Deutschland.

Die wirtschaftliche Situation der Bundesrepublik war 1963 durch ein anhaltendes Wirtschaftswachstum gekennzeichnet, das Ludwig Erhard durch eine maßvolle Ausgabenpolitik der öffentlichen Hand erhalten wollte. Für die Arbeitnehmer brachte die Konjunktur Arbeitszeitverkürzungen und Lohnerhöhungen bei gleichbleibender Vollbeschäftigung.