Mordanschlag auf US-Präsident Kennedy stellt weltweite Entspannung infrage

Politik und Gesellschaft 1963:

Als am 22. November 1963 die Nachricht von der Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy um die Welt ging, waren nicht nur die meisten Amerikaner, sondern viele Menschen in Ost und West erschüttert. Mit Kennedys Tod sahen sie die Hoffnung auf eine erst begonnene weltweite Entspannung, die eng mit Kennedy und dem sowjetischen Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow verbunden war, schon wieder gefährdet.

Der festgenommene Lee Harvey Oswald wird aus dem Texas Theatre abgeführt. Gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Der festgenommene Lee Harvey Oswald wird aus dem Texas Theatre abgeführt. Gemeinfrei, via Wikimedia Commons

In der Bundesrepublik war Kennedys Besuch im Juni des Jahres zu einem triumphalen Erfolg geworden. In seiner Rede vor der Freien Universität in Berlin (West), wo er sich am 26. Juni für sieben Stunden aufhielt, sprach er sich für eine Abkehr von der sogenannten Politik der Stärke aus.

Die Bemühungen um eine Beendigung des Kalten Krieges fanden ihren Höhepunkt in dem Atomteststoppvertrag, der am 5. August in Moskau von den drei Initiatoren USA, UdSSR und Großbritannien unterschrieben wurde und den im Laufe der nächsten Monate zahlreiche Staaten, darunter auch die Bundesrepublik und die DDR, unterzeichneten. Die Weltöffentlichkeit betrachtete dieses Abkommen als einen Schritt auf dem Weg zu der von dem sowjetischen Regierungschef Chruschtschow propagierten friedlichen Koexistenz zwischen dem kapitalistischen und dem sozialistischen Lager.