USA und China kämpfen in Vietnam – Chruschtschow weicht Breschnew

Politik und Gesellschaft 1964:

Die USA haben Europa zu einer Ruhezone der Weltpolitik erklärt, der Ost-West-Konflikt und damit auch die deutsche Frage steht nicht mehr im Mittelpunkt. Mit zunehmendem Engagement in Vietnam – im August kommt es zum Zwischenfall im Golf von Tonkin – wird weniger die Sowjetunion als vielmehr die VR China als Hauptfeind angesehen. Die USA agieren 1964 auf internationaler Ebene außer in Vietnam lediglich – auf diplomatischem Wege – in Zypern und zur Befreiung weißer Geiseln mit einer militärischen Aktion im Kongo (Léopoldville). Ansonsten konzentriert sich die westliche Großmacht auf die Innenpolitik: Präsidentschaftswahlen, Verabschiedung der Bürgerrechtsgesetze, Eindämmung der Rassenunruhen und Bekämpfung der Armut im Lande. Auch für die Sowjetunion stehen interne Fragen im Vordergrund: Im Oktober kommt es, für die westliche Welt überraschend, zu einem Machtwechsel. Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow muss gehen und wird durch Leonid I. Breschnew und Alexei N. Kossygin ersetzt. Außenpolitisch verschärfen sich die ideologischen Auseinandersetzungen mit China.

Die USA und die UdSSR haben ihren Machtkampf verlagert, weit weg, auf Nebenschauplätze in Afrika oder Asien und, noch weiter weg, ins Weltall: Im Wettlauf zum Mond messen die beiden Supermächte ihre Kräfte. »Ich für meinen Teil möchte nicht beim Licht eines kommunistischen Mondes zu Bett gehen«, hatte Lyndon B. Johnson Ende der 50er Jahre gesagt. Doch trotz beeindruckender Fortschritte in der Raumfahrt ist 1964 immer noch nicht entschieden, ob Luna einmal kommunistisch oder kapitalistisch ihre Runden um die Erde drehen wird.