U-Bahnen sollen die Zentren der Großstädte entlasten

Verkehr 1965:

Der motorisierte Individualverkehr in der Bundesrepublik Deutschland steigt weiter mit hohen Raten; zugleich suchen Wirtschaft und Politik nach Alternativen für den öffentlichen Personenverkehr. Vor allem der U-Bahn-Bau wird forciert.

1965 wächst der Pkw-Bestand im Verlauf des Jahres von 9,267Mio. auf 10,784 Mio. Autos. Damit besitzt fast jeder dritte Privathaushalt ein eigenes Auto. Der Anstieg ist mit 16% wegen der sich zur Jahresmitte abzeichnenden wirtschaftlichen Rezession geringer als 1964 (+ 18%). Mit 15,8 Personenkraftwagen auf 100 Einwohner liegt die Bundesrepublik in der Motorisierungsdichte hinter Frankreich, Großbritannien und Luxemburg auf dem vierten Platz in Europa. Stark rückläufig ist die Zahl der Motorräder und Motorroller, die zunehmend vom luxuriöseren und bequemeren Wagen ersetzt werden.

Seit 1960 ist der gesamte Personenverkehr mit öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln von 251 auf 361 Mrd. Personenkilometer gestiegen. 95% des Zuwachses von 110 Mrd. Personenkilometern entfallen auf den privaten Autoverkehr. Die Zahl der auf Straße und Schiene beförderten Personen nimmt im selben Zeitraum nur um 457 Mio. auf 7,4 Mrd. zu. Bei vergleichsweise geringer Erhöhung der Personenzahl steigt die Länge der einzelnen Fahrten beträchtlich. Der private Pkw ermöglicht immer mehr Arbeitnehmern eine flexible Zeitgestaltung und damit auch die Annahme eines Arbeitsplatzes in größerer Entfernung von der Wohnung.

Die Zahl der an Verkehrsunfällen Beteiligten ist seit 1960 trotz der höheren Verkehrsdichte um 57 900 auf 604 700 Personen gefallen. Im gleichen Zeitraum sinkt die Zahl der Verletzten von 455 000 auf 433 500 Personen. 1965 sind allerdings mit 15 753 mehr Verkehrstote als 1960 (14 406) zu beklagen. Verkehrsexperten fordern insbesondere eine Senkung des hohen zulässigen Blutalkoholwerts von 1,5‰. Die Verkehrsplaner begegnen der zunehmenden Verkehrsbelastung der Innenstädte mit dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrssystems. Die U-Bahn-Bauten in Berlin, Frankfurt am Main und Hamburg schreiten zügig voran; neben Hannover (im November) beginnt auch München mit dem Bau einer städtischen U-Bahn. Mit der Inbetriebnahme der ersten Elektrolok vom Typ E03 bereitet die Deutsche Bundesbahn den Aufbau eines konkurrenzfähigen Schnellzugsystems für Geschäftsreisende vor.