Autoschlangen machen schnellen Straßenausbau notwendig

Verkehr 1966:

Angesichts verstopfter Straßen und einer starken Reisewelle zu den Ferienterminen stehen Politiker und Verkehrsplaner mehr denn je unter dem Druck, Konzepte für eine größere Unfallsicherheit sowie eine schnelle Entflechtung des Verkehrs zu erarbeiten.

Der Autobahnbau wird wegen der hohen Verkehrsdichte – 12 Mio. Kraftfahrzeuge rollen auf den Straßen der Bundesrepublik – schnell vorangetrieben. Auf der Hansalinie zwischen Hamburg und dem Kamener Kreuz wird die Teilstrecke zwischen Bremen und Münster soweit fertiggestellt, dass sie entgegen ursprünglichen Erwartungen Mitte 1967 befahren werden kann. Zur gleichen Zeit wird die Autobahn zwischen Bad Hersfeld und Heilbronn ausgebaut.

Da die Verknüpfung von Ballungsräumen trotz forcierter Maßnahmen auf sich warten lässt, versucht man, durch technische Neuerungen Herr des Massenandrangs zu werden. Dabei macht vor allem das erste ferngesteuerte Verkehrssignal-System Furore, das am 2. Ostertag auf der Autobahn München-Salzburg Premiere hat. Die von Siemens und Halske für 2,5 Mio. DM errichtete Anlage wird per Knopfdruck in München bedient und schreibt auf Anzeigetafeln eine schrittweise Reduzierung des Tempos auf 60 km/h vor. Maßnahmen dieser Art können jedoch nur Übergangslösungen darstellen; schnell ziehen auch Verkehrsexperten das Fazit, dass allein ein Ausbau der Autobahnen auf drei- bis vierspurige Fahrbahnen auf Dauer die große Anzahl an Kraftfahrzeugen kanalisieren kann.

Auch der Luftverkehr wird zunehmend dichter, so dass langfristige Vorausplanungen unabdingbar sind. Im Mai gibt die Lufthansa bekannt, sie habe einen Vorvertrag über die Lieferung von drei Boeing 747 abgeschlossen. Die 450 Passagiere fassenden Maschinen, die bis Anfang 1970 ausgeliefert werden, sollen im Transatlantikverkehr Einsatz finden. Der Vertrag wirkt neben dem der US-amerikanischen Konkurrenzlinie PanAm, die bereits 25 Boeings in Auftrag gegeben hat, allerdings eher bescheiden.