Deutsche verschanzen sich in »Bettenburgen«

Urlaub und Freizeit 1966:

Die beliebten Ferienorte an den italienischen und spanischen Küsten gleichen inzwischen deutschen Enklaven. Reisekonzerne aus der Bundesrepublik bauen hier eine »Bettenburg« nach der anderen, um den Massenandrang sonnenhungriger Urlauber zu bewältigen.

Auf der Iberischen Halbinsel und den dazugehörigen Eilanden kaufen sich nicht nur Pauschalreise-Unternehmen ein. Auch viele Privatpersonen errichten hier ihre Feriendomizile. Auf den Kanaren haben bereits 20 000 Bundesbürger ein eigenes Haus. Komplett eingerichtete Bungalows mit 100 m2 Wohnfläche sind schon für 75 000 DM zu haben. Im Vergleich dazu ist eine Wohnung in einer der Hochhaussiedlungen auf dem Festland mit 40 000 DM für 60 m2 ohne Einrichtung relativ teuer.

Um auch in der winterlichen Flautezeit noch den höchstmöglichen Gewinn zu erzielen, offeriert das Reiseunternehmen Scharnow ab Herbst ein »Super-Sonderangebot«, das unverzüglich den Konkurrenten Neckermann nachziehen lässt: Scharnow bietet einen dreimonatigen »Überwinterungsurlaub« auf Mallorca mit Flug, Hotel und Verpflegung für 958 DM an. Kurz darauf macht Neckermann dasselbe Angebot für 747 DM. Der Versandhaus-Konzern, der erst vor vier Jahren ins Reisegeschäft eingestiegen ist, hat alle anderen Pauschaltour-Unternehmen inzwischen überrundet: Bei ihm werden in diesem Jahr 127 000 Flüge gebucht, bei Scharnow hingegen nur 90 000 . Quelle mit 85 000 und Touropa mit 80 000 Flügen folgen auf den nächsten beiden Plätzen.