Die Technik hält Einzug in die gute Stube

Wohnen und Design 1966:

Das Wohnzimmer ist nicht mehr wie noch in den 50er Jahren die »gute Stube« als Repräsentationsraum eines Hauses. Mit dem Beginn einer neuen Freizeitkultur in den 60ern dient auch der frühere Familientreffpunkt immer mehr als Ort der Erholung, wo der einzelne seinen individuellen Interessen nachgeht.

»Erholung statt Kommunikation«: Die Werbung suggeriert, dass eine moderne technische Ausrüstung zur Entspannung nicht fehlen darf. Fernseher, Radio, Tonband oder Plattenspieler gehören jetzt zur Grundausstattung der Wohnung. Hiervon profitiert vor allem die Möbelindustrie, denn die bisherigen Einrichtungen boten noch keine Möglichkeit, die technischen Geräte harmonisch in einen Raum zu integrieren. Reißenden Absatz finden daher breite Schrankwände, die in angemessener Höhe freie Fächer zum Einbau von TV- und Hifi-Anlagen bieten.

Die Wohnräume werden mit der steigenden Beliebtheit dieser technischen Konsumgüter immer lebloser, da alles an einem festgefügten Platz installiert ist. Zugleich leistet das innenarchitektonische Arrangement einer tiefgreifenden Veränderung der Freizeitgestaltung Vorschub: Eigene Aktivitäten werden durch den Griff zum Einschaltknopf der Hifi-Anlage ersetzt.