Die »Unwirtlichkeit« der Großstädte

Architektur 1966:

In der Bundesrepublik erinnern derzeit nur wenige der neu errichteten Häuser daran, dass Architektur eine künstlerische Disziplin ist. Die Notwendigkeit einer schnellen Beseitigung der Raumnot in den expandierenden Großstädten lässt den Architekten weder Zeit noch Spielraum für kreatives Gestalten. 1966 werden 1000 neu geschaffene Wohnungen des Märkischen Viertels in Berlin ihren Mietern übergeben. Die Bauten sind Prototypen einer verfehlten Raumplanung, die Altbausanierung aus Kostengründen ablehnt und stattdessen die »Satellitenstadt« als innovatives Prinzip kreiert.

1962 begannen Georg Heinrichs, Hans Muker und Werner Duttmann mit der Planung des Wohnkomplexes, in dem auf kleinem Grundriss möglichst viele Wohnungen untergebracht werden sollen. Das Bauprinzip der »Zerklüftung« durch versetzte geometrische Häuserformen sollte den Eindruck der Einförmigkeit verhindern. Doch bereits während seines Entstehens wurde das Projekt wie kein anderes deutsches Neubaugebiet zum öffentlichen Streitobjekt. Der Architekt Heinrich Klotz kritisiert den Zweckrationalismus der »Wohncontainer«: »Wir haben das Provisorium der fünfziger Jahre fortgeschrieben und die Kleinwohnung, die Hellhörigkeit, die Einsamkeit und das gestapelte Dasein zum Normalfall, zum Alltag gemacht.«