Mehr Tote und Verletzte – Experten fordern bessere Prävention

Verkehr 1966:

Mehr als mit den Ursachen zunehmender Verkehrsdichte und möglichen Abhilfemaßnahmen beschäftigen sich Planer, Juristen, Soziologen und Psychologen mit den Folgen des Autoandrangs, den steigenden Unfallraten.

Derzeit stirbt jeder 20ste Bundesbürger durch einen Verkehrsunfall. Auf jeden der 30 000 Toten kommen 20 Schwer- und 1000 Leichtverletzte. Die Summe der Sachschäden beläuft sich auf insgesamt 20 bis 30 Mrd. DM. Vor allem junge Menschen leben durch ihr draufgängerisches Fahren am gefährlichsten: Von allen Sterbefällen bei Personen zwischen 15 und 20 Jahren ist die Hälfte auf Autounfälle zurückzuführen.

Alkoholkonsum und zu hohe Geschwindigkeit stellen die häufigsten Unfallursachen dar, die Gründe für die noch zahlreicheren kleinen bis mittelschweren Unfälle sind den Verkehrsplanern allerdings noch nicht hinreichend klar. Deutlich wird jedoch, dass Prävention früher als bisher ansetzen muss. Vor allem die Unfallvorbeugung durch Verkehrserziehung bei Jugendlichen wird deshalb ausgebaut. Der ADAC bietet zudem in Nordrhein-Westfalen den Abschluss eines »Auto-Abiturs« an; jeder Fahrer, der seit einem Jahr seinen Führerschein besitzt, kann hier seine »Verkehrstüchtigkeit« testen und durch Fahrtests seine Geschicklichkeit erhöhen. Ein zusätzliches Problem ist die gesetzliche Ahndung von Verkehrsdelikten. Die Gerichte in der Bundesrepublik sehen sich einer nicht mehr zu bewältigenden Flut von sog. Bagatellfällen gegenüber. Deshalb arbeitet das Verkehrsministerium unter dem Motto »Buße statt Strafe« an einem Gesetzentwurf, der das Verkehrsstrafrecht entkriminalisieren soll. Reine Ordnungswidrigkeiten können danach in Zukunft auch von Polizisten abgewickelt werden.