Spezialitäten aus Delikatessläden als »letztes Statussymbol«

Ernährung, Essen und Trinken 1966:

»Schätzungsweise eine Milliarde Dollar (vier Milliarden Mark) wandern jährlich in die Feinkostgeschäfte Westdeutschlands, und so gut wie jeder Do-it-yourself-Epikureer hat >seinen< Delikatessenladen, dessen Vorzüge er mit allen Einzelheiten aufzuzählen pflegt«, informiert das US-amerikanische Nachrichtenmagazin »Time« über die »Edelfresswelle« in der Bundesrepublik.

Nach der Fress-, Auto-, Wohnungs- und Reisewelle seien die Deutschen wieder bei den Bedürfnissen von 1948 angelangt – nur auf einem anspruchsvolleren Niveau: »Sich die ausgefallensten Spezialitäten der Welt leisten zu können, das ist das vollkommene, das letzte Statussymbol«, zitiert »Time« einen Wissenschaftler der Universität Hamburg.

Neben der Qualität ist auch Quantität ausgefallener Produkte gefragt und wird geliefert – Champignons, so groß wie Kohlköpfe und mit einem durchschnittlichen Gewicht von 400 g, werden jetzt von deutschen Forschern gezüchtet. Im Max-Planck-Institut für Kulturpflanzenzüchtung in Ahrensburg gelingt es der Diplom-Gärtnerin Gerda Fritsche, einen genießbaren, 1,1 kg schweren Riesenpilz zu ziehen.

Mit den Schattenseiten der Völlerei, wie Zahnverfall, Übergewicht und Bluthochdruck, beschäftigen sich 2000 Teilnehmer aus 90 Ländern auf dem ersten Welternährungskongress. In Hamburg diskutieren Fachleute außerdem über Möglichkeiten, den Hunger in der sog. Dritten Welt zu beseitigen.