Leichte Möbel mit klarer Formgebung

Wohnen und Design 1967:

Die Situation auf dem Wohnungsmarkt entspannt sich zunehmend. 1967 wird die zehnmillionste Wohnung übergeben, die nach 1949 gebaut worden ist. Die modernen Wohnungseinrichtungen haben ein nüchternes Design, das stark an Funktionalität ausgerichtet ist.

Jede Wohnung verfügt durchschnittlich über 4,1 Räume. Die gesamte zur Verfügung stehende Wohnfläche beträgt rund 82 m2. Die Wohnungen in ländlichen Gebieten sind mit durchschnittlich 4,8 Räumen größer als in den Städten mit mehr als 500 000 Einwohnern, wo jede Wohnung im Schnitt aus 3,6 Räumen besteht.

Die Ausstattungen der Wohnungen mit Bad, Küche und WC lässt nach wie vor noch viele Wünsche offen, wobei Eigentumswohnungen im Allgemeinen besser ausgestattet sind als Mietwohnungen in Ein- oder Zweifamilienhäusern. In jeder fünften Mietwohnung gibt es weder ein Bad noch ein WC, in 4% der Küchen ist nicht einmal ein Wasseranschluss und/oder ein Ausguss vorhanden. Der Anteil der zentralbeheizten Wohnungen ist 1967 auf 83% gestiegen, im Vorjahr waren nur 75% der Wohnungen zentralbeheizt.

Das Interesse an der geschmackvollen Einrichtung der Wohnung nimmt weiter zu. Die schwerfälligen Möbelstücke machen solchen Platz, die leicht von Gewicht, beweglich, praktisch und klar in der Linie sind. Durch neue Methoden der Verarbeitung von Holz und Metall und durch neue Kunststoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften bekommt die Wohnung mehr freien Raum, mehr Farbe und mehr Varianten in den Formen. Da in vielen Häusern feste Einbauten viele Funktionen übernehmen, werden mehr Möbelstücke entbehrlich. So kann beispielsweise eine Schrankwand Bufett, Kommode, Kasten und Truhe ersetzen.

Zunehmend setzen sich sog. Möbelsysteme durch. Die in ihrer Funktion unterschiedlichen Teile sind in Höhe, Breite und Tiefe aufeinander abgestimmt und können so, ganz nach individuellen Wünschen und nach den räumlichen Gegebenheiten, problemlos kombiniert werden. Die Formgebung dieser Systeme bleibt immer klar, sachlich und offen. Viel Weiß wird mit kräftigen Farben kombiniert. Die Stoffe und Bezüge, Gardinen und Teppichböden sind oft einfarbig, Ton in Ton aufeinander abgestimmt, unruhige Muster geradezu verpönt.

Die Suche nach futuristischen Formen und nach einem neuen Wohngefühl treibt jedoch auch kuriose Blüten. So entwickelt der Hanauer Designer Peter Raacke formschöne, wenn auch unbequeme »Wegwerf-Möbel« aus Wellpappe. Sein Stuhl verträgt 1,5 t Druck und hält etwa zwei Jahre, dann wirft man ihn weg.