Plastik für die Individualisten, helle Hölzer für jedermann

Wohnen und Design 1968:

Wer seine Wohnung modern einrichten möchte, greift in diesem Jahr zu Kunststoffmöbeln. Sessel, Tische und Schränkchen aus dem leicht sauber zu haltenden harten Kunststoffschaum werden dem Käufer in leuchtenden Farben von Orange bis Hellgrün angeboten. Extravaganter sind Sofas und Sitzelemente aus aufblasbarem Plastik. Diese extrem leichten, oft durchsichtigen »Luftmöbel« lassen Zimmer größer wirken, gehören jedoch eher zu den »Wegwerfmöbeln«.

Die neuen Trendmöbel erweisen sich allerdings im Wesentlichen als reine Ausstellungsstücke – der Durchschnittsbürger liebt weiterhin das Solide. Sein Budget zur Gestaltung der Wohnung – im statistischen Mittel unter 100 DM pro Person jährlich in der Bundesrepublik – erlaubt ihm nicht die Anschaffung der vergleichsweise teuren individuell gestalteten Möbel.

Allgemein gefragt ist das gemäßigt moderne Möbelstück mit klaren, einfachen Linien und Formen, das vor allem funktionell sein soll. Die Ära der wuchtigen Schrankwände ist vorbei. Sie werden ersetzt durch vielfach kombinierbare schlichte Endloswände, für die leicht wirkende Materialien wie Glas, Chromstahl, aber auch Kunststoff und Holz verwendet werden. Beim Holz geht die Teakwelle zu Ende; es werden vor allem helle Hölzer wie Tanne, Birke und Buche verwendet. Als Bezugsstoffe für die weiterhin obligatorische Polstergarnitur stehen pflegeleichte und unempfindliche Materialien an erster Stelle der Beliebtheitsskala.

Steigende Aufmerksamkeit wird dem traditionellen Stiefkind der Wohnung, dem Bad, geschenkt. Der Trend geht zu praktischer, hygienischer und farblich aufeinander abgestimmter Einrichtung.