Neue Werkstoffe und Formen verändern den Wohnstil

Wohnen und Design 1969:

Steigende Mieten und ein deutlich spürbarer Mangel an Sozialwohnungen – das sind die Hauptprobleme auf dem bundesdeutschen Wohnungsmarkt. In einer Denkschrift des Deutschen Mieterbundes heißt es Mitte November 1969: »Die Lage der Mieter und Wohnungssuchenden entspricht nicht den gesellschaftspolitischen Vorstellungen des Grundgesetzes.« Der Vorsitzende des Mieterbundes, Paul Nevermann, fordert von der Wohnungspolitik: Förderung des sozialen Wohnungsbaus, ein besseres Wohngeldgesetz, besseren Kündigungsschutz und eine kostengerechtere Altbaumiete. Diese stieg seit 1962 im Durchschnitt um rund 70%.

Die Verhältnisse in Neubausiedlungen werden von den Bewohnern zunehmend kritisiert. Die »Wohnmaschinen« im Märkischen Viertel in West-Berlin oder in Bremen »Neue Vahr« erweisen sich vor allem wegen ihrer Anonymität als problematisch.

Für die Einrichtung der eigenen vier Wände ist man seit einigen Jahren bereit, mehr Geld auszugeben. Auch Möbel unterliegen jetzt immer stärker modischen Trends. Man kauft nicht mehr für die »Ewigkeit«. Die Möbelbranche kann ihre Umsätze 1969 um mehr als zehn Prozent steigern. Beliebt sind Möbel mit glatten Kunststoffoberflächen in kräftigen Farben und dekorative Verzierungen an Schrankwänden und Kommoden. Wichtig ist die Bequemlichkeit der Sitzmöbel. Zu den Vorbildern gehören dabei u.a. die Stühle des US-Designers Charles Eames. Der Schaukelstuhl und der »Sitzsack« finden ihren Platz im Wohnzimmer, ebenso wie Bugholzstühle aus gebogenem Schichtholz. Polstermöbel nehmen immer luxuriösere Dimensionen an. Bequem und modern sind die neuen Sitzelemente, die Luigi Colani entwickelte. Sie bestehen aus einer Holzschale oder einem Kunststoffhocker mit unterschiedlich geformten dicken Polstern.

In den Wohnungen ändern sich aber auch die Raumfunktionen. In der Küche wird vielfach nur noch gekocht; die gute alte Wohnküche ist auf dem Rückzug, das Wohnzimmer gewinnt an Bedeutung.