Fortschritt bei Datentechnik

Wissenschaft und Technik 1970:

Die Schwerpunkte technischer Entwicklung liegen auf dem Gebiet der Kommunikationsmittel und der zugehörigen Datenerfassung, -übertragung und -speicherung. Schlagzeilen in den Massenmedien machen sowjetische Raumfahrterfolge mit Mondsonden. – Neue Wege in Kern- und Verstromungstechnik setzen Marksteine auf dem Energiesektor. – Die Physiker präsentieren Neues auf dem Gebiet der Elementarteilchen und stellen zwei neue Großforschungsinstrumente, ein Mikroskop und ein Teleskop, vor.

Im Januar geht weltweit erstmals die Zeitmultiplex-Vermittlung im öffentlichen Telefonnetz in Betrieb. Mit ihr lassen sich durch zeitliche Schachtelung von Gesprächen die Fernsprechkanäle besser ausnutzen. Mit dem neuen System wird ab Mitte März auch die Telefondirektwahl zwischen Europa und Amerika – über Telesatellit – realisiert.

In Frankreich geht eine 10 km lange Hohlkabel-Versuchsstrecke in Betrieb. Erstmals werden hier mit der Fortleitung elektromagnetischer Wellen so breite Frequenzbänder für die Kommunikationsübermittlung genutzt, wie sie sonst allein dem Funk vorbehalten waren.

In Großbritannien entwickeln Fernsehtechniker das Videotext-Verfahren, mit dem sich Zusatzinformationen zum regulären Bild anbieten lassen: Filmuntertitel für Gehörgeschädigte, Texte in Fremdsprachen, Sondernachrichten und anderes. Diese Informationen werden während der sog. Austastlücke der normalen Bildübertragung zusätzlich gesendet. Öffentlich angeboten wird das System in Großbritannien erstmals 1974, in der Bundesrepublik 1977.

Ebenfalls in Großbritannien, aber auch in der Bundesrepublik werden Bildplatten und zugehörige Wiedergabegeräte entwickelt. Ihre Schallplattenrillen entsprechenden Bildspuren werden mit Diamanten abgetastet. Zunächst stellen die Firmen AEG-Telefunken und Decca (Teldec) Platten für Schwarzweißbilder vor (<!– –>24.6.<!– –>).

Laserlicht wird bei der Erzeugung computerberechneter Bildeffekte eingesetzt. Ein Lichtspektakel dieser Art feiert bei den Münchner Opernfestspielen Premiere, wo bewegte farbige Lichtfiguren zur Bühnengestaltung herangezogen werden.

Besondere Impulse erhält das Bildkommunikationsmittel Fotografie von der Elektronik. Speziell die Kleinbildkameras erfahren um 1970 eine beachtliche Umgestaltung. Neu sind z.B. automatische Belichtungssteuerung, elektronische Verschlusszeitgeber eingebaute Elektronenblitze und der Filmtransport durch Kleinstmotoren. An der automatischen Fokussierung wird gearbeitet. Am 20. September gelingt den Sowjetrussen ein sensationeller Raumflugerfolg: Die Mondsonde »Luna 16« landet weich auf dem Erdtrabanten und kehrt mit Gesteinsproben zur Erde zurück. Bereits am 10. November bringt eine Rakete »Luna 17« zum Mond. Diese Sonde setzt das Labormobil »Lunochod I« aus, das Messungen und Analysen durchführt, Fotos aufnimmt und an 500 Stellen der Mondoberfläche Gesteinsproben sammelt (<!– –>17.11.<!– –>).

Ebenfalls in der Sowjetunion entsteht ein größerer MHD-Versuchsgenerator. Das Gerät nach einer Erfindung des Schweden Hannes O.G. Alfvén erzeugt elektrischen Strom dadurch, dass ionisierte Kohleverbrennungsgase durch ein Magnetfeld geleitet werden.

Neu auf dem Energiesektor ist auch ein Kernreaktortyp, der Thorium-Hochtemperaturreaktor, der seit 1. August in Hamm-Uentrop gebaut wird.

In der Grundlagenphysik erregt die Theorie der Quantenchromodynamik Aufsehen, ein Arbeitsmodell der Teilchenphysiker Murray Gell-Mann und Harald Fritzsch, das die Wechselwirkungen zwischen den Urbausteinen der Materie, den Quarks, beschreibt.

In Frankreich, Japan und den USA gelingt es, den Vergrößerungsmaßstab von Elektronenmikroskopen durch Steigerung der Elektronenbeschleunigungsspannung auf drei Millionen Volt derart zu steigern, dass sich mit diesem Instrument erstmals Atomstrukturen – Kern und Elektronenhülle – zeigen lassen. Auf dem Effelsberg bei Bonn können Astrophysiker ein neues Großteleskop einweihen.