Elektronische Neuheiten

Elektronische Neuheiten
By NASA (Great Images in NASA Description) [Public domain], via Wikimedia CommonsApollo 17 – v. l. n. r.: Harrison Schmitt, Eugene Cernan, Ronald Evans.

Wissenschaft und Technik 1972:

1972 ist das Jahr der Experimente in verschiedenen Bereichen der Verkehrstechnik. Im Bodenverkehr sollen Magnetschwebebahnen, Luftkissenzüge und »People-Movers« für größere Mobilität sorgen. Während die zivile Luftfahrt durch den Airbus A 300 eine Bereicherung erfährt (<!– 28.10.1972–>), gelingt es mit Hilfe schneller Militärfahrzeuge ein Raum-Zeit-Phänomen, bekannt als Albert Einsteins Zwei-Uhren-Paradox, zu beweisen. Das Bedeutendste wissenschaftlich-technische Ereignis des Jahres allerdings sind die beiden Mondlandungen der US-Missionen Apollo 16 und Apollo 17, die zugleich das 1969 begonnene Mondlandeprogramm der NASA beenden. Mit Pioneer 10 beginnt dagegen eine neue Ära der Raumfahrt: Die Erforschung der äußeren Planeten unseres Sonnensystems.

Während der Luftverkehr noch über den nötigen Freiraum verfügt, stößt der Bodenverkehr in den Industrienationen überall an Grenzen. Es werden neue Verkehrskonzepte für den Nahverkehr – z.B. computergesteuerte Kabinen-Schienentaxis – und für den Fernverkehr entwickelt. Die bundesdeutsche Firma Krauss-Maffei experimentiert mit ihrer Bahn Transrapid 03 in einer Luftkissen- und einer Magnetschwebeversion.

Fortschritte macht auch die Elektronikindustrie: Den Unterhaltungssektor bereichert sie mit Quadrophonie-Schallplatten, die den Raumton verbessern sollen, mit »Pong«, dem ersten Computerspiel, das der US-Amerikaner Bushnell, Gründer der Computerfirma Atari, vorstellt, sowie mit der Einführung der servicefreundlichen Modulbauweise bei Fernsehgeräten. Die Module, die eine oder mehrere Funktionen ausüben, werden als geschlossene Einheiten in die Geräte eingesetzt und lassen sich daher als ganze Einheiten leicht austauschen. Oft geschieht der Einbau einfach durch Steckkontakte, doch weit verbreitet sind auch Steckkarten. Auf diese mit elektronischen Bauteilen bestückten Kunststofftafeln sind Schaltungen aufgedruckt, bei denen die für den externen Anschluss erforderlichen Leiterbahnen parallel bis zum Plattenrand geführt sind. Mit dem Anschlussleiter an der Stirnseite lässt sich die Steckkarte einfach in einen Kontaktsockel im Gerät einführen. Die Subminiaturisierung in der Elektronik bekommt einen neuen Auftrieb durch die Röntgenstrahl-Lithographie, die es erlaubt, mit kurzwelligen Strahlen Material so präzise zu bearbeiten, dass dabei Strukturen mit einer Genauigkeit von 1 µm hergestellt werden.

Die optische Industrie verfügt über einen neuen Werkstoff: Sehr hoch brechendes und zugleich leichtgewichtiges Glas der Mainzer Glaswerke Schott, das sich besonders für die Herstellung starker Brillengläser eignet.

Der Ingenieurbau überzeugt mit Superlativen wie dem größten Zeltdach der Welt über dem Münchener Olympiastadion (74 800 m2; <!– 26.8.1972–>). Gigantisch sind auch die 1972 noch in Bau befindlichen Staudämme in der Dritten Welt, darunter der Cabora-Bassa-Damm in Moçambique und der Tarbela- und Mangla-Damm in Pakistan. Die durch die Dämme geschaffenen Stauseen sollen mit ihren Wasserkraftwerken in großem Umfang Strom liefern. Die 100 km lange Erzförderbandanlage durch die Sahara, die von der deutschen Firma Krupp Industrie- und Stahlbau erstellt worden ist, befördert stündlich 2000 t Phosphate aus einer Mine in der Wüste.

Zwei US-amerikanische Überschall-Jets liefern in einem Experiment der Washington University und des Naval Observatory den messtechnischen Beweis für die innerhalb von Einsteins Relativitätstheorie formulierte Erkenntnis, dass sich unter bestimmten Umständen die Zeit kontrahiert. Beide Jets haben extrem genaue Uhren an Bord und umkreisen in entgegengesetzter Richtung mit hoher Geschwindigkeit die Erde. Nach dem Ende des Experiments weisen die Uhren eine Zeitdifferenz von 332 Nanosekunden auf.