Reaktionen auf Energiekrise und Umweltbelastung

Reaktionen auf Energiekrise und Umweltbelastung
Verkehrsminister Irene Vorrink macht die erste Fahrt mit dem elektrisch betriebenen "Witkar" an der Prinsengracht in Amsterdam (21.März 1974). Collectie SPAARNESTAD PHOTO/NA/Anefo/Fotograaf onbekend[dead link] [CC BY-SA 3.0 nl], via Wikimedia Commons

Verkehr 1974:

Auf bundesdeutschen Straßen zeichnet sich in diesem Jahr eine neue Entwicklung ab, die in erster Linie auf die Energiekrise (<!– 1.1.1974–>) sowie die zunehmende Gefährdung der Umwelt zurückzuführen ist: Das benzinbetriebene Auto, als Fortbewegungsmittel und Prestigeobjekt der Deutschen liebstes Kind, gerät ins Hintertreffen. Gegenüber etwa 2 Mio. Neuzulassungen von Personen- und Kombinationskraftwagen 1973 sind es in diesem Jahr nur noch rund 1,7 Mio.

Stattdessen liegt 1974 der Drahtesel voll im Trend. Immer häufiger greifen die Bundesbürger wieder auf das alte Verkehrsmittel zurück, um zur Arbeit oder in nahe gelegene Erholungsgebiete zu fahren. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins »Der Spiegel« werden im Frühjahr 25% mehr Fahrräder als im Vorjahr verkauft.

Die Autoindustrie hat es sich dementsprechend zur Aufgabe gemacht, neue Motoren zu entwickeln, die sowohl eine geringere Belastung für die Umwelt darstellen als auch auf die prekäre Energieversorgungssituation Rücksicht nehmen. Im Vordergrund steht hier die Erprobung von Wasserstoff als umweltfreundlicher und unbegrenzt vorhandener Energieträger. Die Firma Laing in Württemberg erprobt einen »Hybrid-Motor«, den in einem sog. Wärmetauscher erzeugter Dampf antreibt. Anschließend abgekühlt, wird dieser Dampf als Flüssigkeit in den Wärmetauscher zurückgeleitet und dort erneut erhitzt. Daimler-Benz in Stuttgart arbeitet an einem Motor, der ölunabhängiges Fahren ermöglichen soll. Die bei einem solchen Antrieb entstehenden Abgase wären nahezu schadstoffrei.

In der Bundesrepublik Deutschland kommt in diesem Jahr das erste Elektroauto auf den Markt. Der »Zele 1000« ist ein Produkt der italienischen Firma »Zagato« und wird nun vom deutschen Technischen Überwachungsverein geprüft. Antrieb des neuen Modells, das umweltfreundlich und energiesparend fährt, ist ein Elektromotor, der von acht Batterien mit Strom versorgt wird. Besonders schnell ist der neue Wagen allerdings nicht: 40 km/h beträgt die Höchstgeschwindigkeit. Zudem müssen nach 80 bis 90 km die Batterien aufgeladen werden. Dafür wird auf 100 km nur noch für 50 Pfennig Strom verbraucht. Besonders positiv ist der niedrige Geräuschpegel des Elektroautos – allerdings gebietet dieser Umstand erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber den Fußgängern, die den Wagen oftmals überhören.

Verkehrsminister Irene Vorrink macht die erste Fahrt mit dem elektrisch betriebenen "Witkar" an der Prinsengracht in Amsterdam (21.März 1974). Collectie SPAARNESTAD PHOTO/NA/Anefo/Fotograaf onbekend[dead link] [CC BY-SA 3.0 nl], via Wikimedia Commons

Verkehrsminister Irene Vorrink macht die erste Fahrt mit dem elektrisch betriebenen “Witkar” an der Prinsengracht in Amsterdam (21.März 1974). Collectie SPAARNESTAD PHOTO/NA/Anefo/Fotograaf onbekend[dead link] [CC BY-SA 3.0 nl], via Wikimedia Commons

Die Entwicklung von umweltschonenden und gleichzeitig energiesparenden Fortbewegungsmitteln führt in Amsterdam am 21. März zur Eröffnung der ersten »Witkar«-Station. Die elektrisch betriebenen »Witkars« sind als Ergänzung zu den öffentlichen Verkehrsmitteln gedacht und können bis zu 45 Minuten für Stadtfahrten genutzt werden. Die »Witkar-Kooperatives«, der bereits 1600 Mitglieder angehören, strebt die Einrichtung von 150 Stationen mit insgesamt 1200 »Witkars« in ganz Amsterdam an. Langfristiges Ziel der Initiative ist die Sperrung der Innenstadt für Privatwagen.