Sieg bei Fußball-WM – Rücktritt Willy Brandts wegen Guillaume-Affäre

Sieg bei Fußball-WM – Rücktritt Willy Brandts wegen Guillaume-Affäre
Guillaume mit Willy Brandt auf einer Wahlkampfreise in Niedersachsen 1974. Bundesarchiv, B 145 Bild-F042453-0011 / Wegmann, Ludwig / CC-BY-SA [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1974:

»Wir sind wieder Weltmeister« – der nationale Stolz über den Sieg der deutschen Mannschaft bei der X. Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land lässt viele Menschen in der Bundesrepublik für kurze Zeit ihre Ängste und Sorgen vergessen. Sie feiern die neuen »Nationalhelden« so begeistert, weil die politische und wirtschaftliche Situation in Deutschland wenig Grund zum Feiern gibt.

Die 1969 von der SPD/FDP-Koalitionsregierung eingeleitete »Politik der inneren Reformen« hatte in der SPD zu Uneinigkeit über den Führungsstil der Partei und damit zu einem Autoritätsverlust von Bundeskanzler Willy Brandt geführt: Im Rücktritt Brandts am 6. Mai findet dieser Vertrauensverlust seinen Niederschlag, wenn auch ausgelöst durch die Enttarnung seines Mitarbeiters Günter Guillaume als DDR-Spion. Brandt war wegen der innerparteilichen Probleme und der komplexen wirtschaftlichen Schwierigkeiten »gar nicht so abgeneigt, einen Job aufzugeben, der ihm … eine Last geworden war«, kommentiert die Londoner Tageszeitung »Times« den Rücktritt des Kanzlers.