Kinder leiden zunehmend unter Stresssituationen im Klassenzimmer

Bildung 1976:

Verschärfter Leistungsdruck in den westdeutschen Klassenzimmern führt bei immer mehr Schulkindern zu körperlichen und psychischen Störungen. Seitdem an den Universitäten der Numerus clausus maßgebend ist und eventuell Zehntelnoten über die Zulassung für das gewünschte Studienfach entscheiden, hat sich der »Schulstress« spürbar gesteigert. Eltern machen sich zunehmend Sorgen um das körperliche und seelische Befinden ihrer Kinder.

Unterstützung erfahren sie durch Pädagogen, welche fordern, dass den Kindern die Schule wieder mehr Spaß machen solle. Die wachsende Zahl von Schülern mit psychosomatischen Krankheitssymptomen wie Schlafstörungen, Magenbeschwerden oder Angstzuständen sei ein Alarmsignal. Es widerspräche der Bildungsaufgabe der Schule im demokratischen Staat, wenn das Klassenzimmer nur noch zu einem Ort des Konkurrenzkampfes, des angstbesetzten Paukens, der Jagd nach Zehntelnoten würde.

Diese Warnungen finden bei einer wachsenden Zahl von Politikern Gehör. So verkündet der bayerische Kultusminister Hans Maier (CSU) ein Programm zur Minderung der »Stresssituation an den Schulen«. Es beinhaltet u.a. die Reduzierung der Klassenarbeiten und Einschränkungen bei den Hausaufgaben. Auch in anderen Bundesländern werden 1976 die Leistungskontrollen verringert.