Kleinwagen sind gefragt

Auto und Verkehr 1976:

Die Automobilindustrie hat die Folgen der Ölkrise überwunden. Die in den drei Jahren weltweit gesunkene Nachfrage steigt wieder. Das macht sich besonders stark in den Vereinigten Staaten bemerkbar: 1976 werden gegenüber dem Vorjahr rund 50% mehr Pkw produziert. Ein Rekordergebnis erwirtschaftet die japanische Autoindustrie. Die Fertigungszahlen überschreiten erstmals die 5-Mio.-Grenze. Damit stammt bereits jedes in der Welt gebaute Auto aus Japan.

Auch die deutsche Automobilindustrie hat Anlass zur Freude. Die Nachfrage steigt, der Marktanteil deutscher Autos auf dem Inlandsmarkt wächst. Einzig der geringe Zuwachs auf den Exportmärkten trübt die Bilanz. Verantwortlich dafür sind vor allem Verschiebungen in den Währungsrelationen.

Gefragt sind vor allem kleine, sparsame Autos. Die Käufer angesichts steigender Benzinpreise immer mehr auf einen geringen Treibstoffverbrauch. Die Ingenieure der Autoproduzenten sind daher bemüht, durch technische Verbesserungen wie Senkung des Luftwiderstandes oder Verlängerung der Getriebeuntersetzung (5. Gang) den Kundenwünschen zu entsprechen. Einen regelrechten Boom erfährt der Dieselmotor. Immer mehr Hersteller bieten ihre Modelle alternativ mit dem herkömmlichen Otto-Motor oder dem sparsamen Selbstzünder an. Die Volkswagen AG präsentiert den Golf Diesel, dessen 1500-ccm-Motor bei einer konstanten Geschwindigkeit von 90 km/h nur rund 6 l Kraftstoff auf 100 km verbraucht. Auch ausländische Hersteller haben die Zeichen der Zeit erkannt und nehmen Dieselfahrzeuge in ihr Programm auf. Neu auf dem Markt sind u.a. Diesel-Varianten von Alfa-Romeo (Giulia), Citroën (CX 2200), Chrysler (Barreiros), Datsun (200/200C) und British Leyland (Marina).

Der Erfolg des Volkswagen-Golf veranlasst immer mehr Hersteller, kompakte Kleinwagen mit einer praktischen Heckklappe anzubieten. Die Ford-Werke in Köln stellen 1976 mit dem Fiesta ein völlig neu konstruiertes Auto vor. Der Fiesta besitzt einen Frontantrieb und wird mit verschiedenen Motoren und Ausstattungspaketen angeboten.

Der dritte Konkurrent auf dem umkämpften Kleinwagenmarkt heißt Opel. Der bislang etwas bieder wirkende Kadett C des Rüsselsheimer Unternehmens ist nun auch in einer 140 PS starken GT/E-Version und als Cabriolet (Aero) erhältlich.

Eine der wenigen spektakulären Neuerungen im Motorenbau stellt die Volkswagen-Tochter Audi vor. Sie entwickelte für ihr Flaggschiff Audi 100 einen Fünf-Zylinder-Reihenmotor. Dabei gelang es den Audi-Technikern erstmals, die bei fünf Zylindern auftretenden Unwuchtprobleme zu lösen.