Wende im Pauschaltourismus

Urlaub und Freizeit 1976:

Die Reiselust der Bundesbürger ist ungebrochen. Vor allem Auslandsreisen nach Österreich, Spanien, Italien und Griechenland stehen hoch im Kurs. Die Aufwendungen für einen Urlaub im sonnigen Süden sind in den letzten Jahren stetig gestiegen. Gaben die Bundesbürger 1970 im Ausland noch rund 10,2 Mrd. DM aus, sind es 1976 bereits mehr als 22 Mrd. DM. Gefragt sind vor allem Pauschalreisen. Die Touristik Union International (TUI) – mit den ihr angeschlossenen Firmen Touropa, Tigges, Scharnow, Transeuropa, Airtours und Twen Tours größter deutscher Reiseveranstalter – verzeichnet allerdings einen Rückgang der Buchungen. Im Geschäftsjahr 1976 (1. November 1975 bis 31. Oktober 1976) reisen rund 1,95 Mio. Urlauber mit der TUI. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres ist das ein Rückgang um 1,9%. Dafür ist der Umsatz des Konzerns um 5% auf insgesamt 1,45 Mrd. DM gestiegen. Nach Angaben der TUI deutet sich damit eine Trendwende im Reiseverhalten der Bundesbürger an. Die Gesamtzahl der Pauschalreisen ist zwar rückläufig, dafür nimmt die Nachfrage nach höherwertigen Reisen zu.

Pauschalreisen werden fast nur noch mit dem Flugzeug angetreten. Der noch vor zehn Jahren verbreitete Bahntourismus ist stark rückläufig und wird von den großen Veranstaltern kaum noch angeboten. Die Unternehmen der TUI verkaufen 1976 Flugreisen mit rund 1,235 Mio. Teilnehmern. Mit der Eisenbahn fahren nur noch etwa 280 000 TUI-Kunden in den Urlaub. Ein wachsendes Interesse registriert die Branche bei den Seereisen. Gegenüber dem Vorjahr steigen die Buchungen von Kreuzfahrten um rund 30%. Darüber hinaus ist auch eine Verlagerung der Urlaubszeiten festzustellen. Während in den früheren Jahren eine Erholungsreise fast ausschließlich in den Sommermonaten angetreten wurde, fahren immer mehr Menschen auch im Winter oder Frühjahr in den Urlaub.

Das Bedürfnis nach sportlicher Betätigung im Urlaub nimmt zu. Immer mehr Menschen wollen die »schönsten Wochen des Jahres« aktiv gestalten – Segeln, Tauchen, Wandern oder Tennis spielen. Die Reiseveranstalter haben sich sehr schnell auf die neue Situation eingestellt und bieten ihren Kunden den sog. Aktiv-Urlaub an. Einen regelrechten Boom erfährt 1976 der USA-Tourismus. Die im Juli beginnenden Veranstaltungen zur 200-Jahr-Feier der Vereinigten Staaten veranlassen weltweit rund 30 Mio. Menschen zu einer Reise in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten (<!– –>4.7.<!– –>).

Die Bundesrepublik Deutschland hat als Urlaubsziel nichts von ihrer Attraktivität eingebüßt. Das Hotelgewerbe floriert. Die Zahl der Beherbergungsbetriebe ist gegenüber dem Vorjahr um nahezu 1500 gestiegen und beträgt 1976 rund 5100. Den Gästen stehen insgesamt fast 1 330 000 Betten zur Verfügung (1975: 1 270 000). Zu der positiven Bilanz der bundesdeutschen Touristikbranche tragen nicht zuletzt die ausländischen Gäste bei. Trotz des für sie ungünstigen Wechselkurses wurden von Ausländern im Sommerhalbjahr 1976 rund 12,2 Mio. Übernachtungen gebucht (gesamt 149 Mio.).