Charta 77 gegen Repressionen im sowjetischen Einflussbereich

Politik und Gesellschaft 1977:

In den Ländern des Ostblocks regt sich nach Jahren erzwungener Ruhe zunehmender Widerstand. Die neu gegründete »Charta 77«, der u. a. der Dramatiker Václav Havel angehört, fordert in der CSSR Achtung der Menschen- und Bürgerrechte. Wie in der Tschechoslowakei, Polen und der Sowjetunion reagiert auch das Regime in der DDR auf Kritik an seiner Herrschaftspraxis mit verstärkten Repressionen. So wird der ehemalige Wirtschaftsfunktionär Rudolf Bahro wegen seiner Kritik am real existierenden Sozialismus, im Westen unter dem Titel »Die Alternative« als Buch veröffentlicht, vom Staatssicherheitsdienst verhaftet. Durch die Ausreise zahlreicher unangepasster Künstler, die im Laufe des Jahres nach z. T. jahrelangen Drangsalierungen in die Bundesrepublik kommen, erleidet die DDR-Kultur einen starken Aderlass. Einen Mitstreiter finden die osteuropäischen Dissidenten im neu gewählten US-Präsidenten Jimmy Carter. Er macht die Frage der Menschenrechte zur Leitschnur seiner Außenpolitik. Augenfällig wird sein Engagement bei dem KSZE-Folgetreffen in Belgrad, wo es zu scharfen Wortgefechten zwischen Vertretern der USA und der Sowjetunion kommt. Innenpolitisch bemüht sich der neue Präsident nach den Traumata der Watergate-Affäre und des Vietnamkrieges um einen Neuanfang. Sein ehrgeiziges, mit hohem moralischem Anspruch vorgetragenes Reformprogramm stößt bei vielen US-Bürgern jedoch zunächst auf Skepsis.