Postmoderne auch in der Stadtplanung

Architektur 1977:

Wichtige Akzente in der westlichen Architektur setzt die Schule der »Postmoderne« mit ihrer historisierenden Formensprache, die in der Bundesrepublik Deutschland auch Pläne für ganze Wohnkomplexe sowie Entwürfe für eine neuartige Stadtplanung vorlegt. In den USA gehen indes starke Impulse von dem Team Robert Venturi, John Rauch und Denise Scott Brown aus, deren Gestaltung vor allem der Western Plaza in Washington D.C. starke Beachtung findet. Einen Akzent setzen sie u.a. durch das Modell des Weißen Hauses, das der Betrachter von einem bestimmten Standort aus gleichzeitig mit dem Original in den Blick nehmen kann.

In seinem Entwurf für eine Wohnanlage in Marburg-Weidenhausen bedient sich der US-Amerikaner Charles Moore postmoderner Elemente. In Abkehr von der Zeilenbauweise der Moderne sucht Moore durch variationsreiche Gruppierung der einzelnen Baukomplexe »charakteristische Orte und Plätze« zu gestalten, die nicht zuletzt auf die kulturelle Überlieferung – in diesem Fall die der mittelalterlichen Stadt – Bezug nehmen. Der Luxemburger Rob Krier bemüht sich in seinen Entwürfen für die Erneuerung einiger Innenstadtbereiche von Berlin (West) um Korrespondenz von postmodernen Neubauten und vorhandener Bausubstanz. Im Sinne einer »Stadtreparatur« schließt das Konzept in Einzelfällen eine post-moderne »Korrektur« vorhandener Bauten der Moderne ein.

Frank O. Gehry, ein Gegner der Postmoderne mit ihren historisierenden Tendenzen, gibt den Anstoß zu einer neuen Entwicklung der modernen Architektur, die als »Dekonstruktivismus« bezeichnet wird. Der Entwurf zu seinem Wohnhaus verzichtet auf den Eindruck des Abgeschlossenen. Wände stoßen »unharmonisch« aufeinander, Treppenstufen wirken wie lässig hingeworfen. Gehry widersetzt sich bewusst der Forderung nach Schlüssigkeit und Abgestimmtheit der Teile.