Amoco Cadiz richtet Ölpest an – Diskussionen um britisches Retortenbaby

Amoco Cadiz richtet Ölpest an – Diskussionen um britisches Retortenbaby
Die havarierte Amoco Cadiz am 16. März 1978. By Amoco_Cadiz_1.jpg: noaa.gov / *derivative work: Mfield (Amoco_Cadiz_1.jpg) [Public domain], via Wikimedia Commons

Politik und Gesellschaft 1978:

In der Bundesrepublik ist die sozialliberale Reformeuphorie der Ära Brandt/Scheel einer weitgehenden Ernüchterung gewichen. Helmut Schmidt, Bundeskanzler seit 1974, steht für einen politischen Pragmatismus, der sich an eingeschränkten wirtschaftlichen und finanziellen Möglichkeiten orientieren muss. Anspruchsvolle sozial- und bildungspolitische Reformen müssen zurückgestellt werden, da mit der weltweiten Wirtschaftskrise die Politik der Bundesregierung vom Krisenmanagement bestimmt wird.

Die havarierte Amoco Cadiz am 16. März 1978. By Amoco_Cadiz_1.jpg: noaa.gov / *derivative work: Mfield (Amoco_Cadiz_1.jpg) [Public domain], via Wikimedia Commons

Die havarierte Amoco Cadiz am 16. März 1978. By Amoco_Cadiz_1.jpg: noaa.gov / *derivative work: Mfield (Amoco_Cadiz_1.jpg) [Public domain], via Wikimedia Commons

Die Grenzen des Wachstums werden den Wohlstandsbürgern 1978 aber nicht nur im Bereich der Wirtschaft vor Augen geführt: Durch eine Umweltkatastrophe bislang unbekannten Ausmaßes kommt einer breiten Öffentlichkeit die zunehmende Gefährdung der Natur durch die Industriegesellschaft schlagartig zu Bewusstsein. Im März läuft der Supertanker »Amoco Cadiz« vor der französischen Atlantikküste auf Grund und verseucht die Strände der Bretagne. Durch das ausgelaufene Öl gehen Tausende von Seevögeln zugrunde; die Küste liegt für Monate unter einem Ölteppich, der jedes Leben erstickt.

Als Reaktion auf die zunehmende Umweltzerstörung organisieren sich in westlichen Industriestaaten Bürgerinitiativen, die gegen Kernkraftwerke, industrielle Großprojekte oder Giftmülldeponien zu Felde ziehen. In der Bundesrepublik treten die ersten grünen Parteien zu Landtagswahlen an.

Um die Grenzen zwischen dem technisch Machbaren und dem moralisch Vertretbaren geht es auch in der Diskussion um das erste außerhalb des Mutterleibes gezeugte Kind, das im Juli in Großbritannien das Licht der Welt erblickt. Das Ereignis löst eine leidenschaftlich geführte Diskussion über die ethische Dimension derartiger Manipulation aus – eine Diskussion, die in den folgenden Jahren durch immer neue Erfolgsberichte aus der Genforschung weiteren Zündstoff erhält.