Club-Urlaub für die Familie

Urlaub und Freizeit 1978:

Die Reiselust der Bundesdeutschen steigt auch 1978 weiter an. Rund 35 Mio. Westdeutsche, so viel wie noch nie, unternehmen in diesem Jahr mindestens eine Urlaubsreise. Die Tourismusbranche weist wiederum deutliche Zuwachsraten auf – ein Trend, der in der Bundesrepublik Deutschland seit nunmehr fast drei Jahrzehnten ungebrochen anhält. Dabei hat sich der Anteil der Auslandsreisen in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Blieben 1969 noch 60,3% der Reisenden im Lande, so fahren 1978 nur noch 42,2% zu einem Urlaubsziel in der Bundesrepublik. Eine starke D-Mark macht es möglich, dass immer breitere Bevölkerungsschichten ihrem Drang in die Ferne nachgeben können. Die beliebtesten Reiseländer der Bundesdeutschen sind nach wie vor Österreich (14,7%), Italien, das mit 9,1% im Vergleich zum Vorjahr einen starken Zuwachs an deutschen Touristen verzeichnet, und Spanien (8,3%).

Immer mehr Anklang findet der Urlaub in einem Ferienclub, wobei der marktführende »Club Méditerranée« sich 1978 um eine gewisse Imageveränderung bemüht. Nicht mehr nur Einzelurlauber sollen mit der Aussicht auf sportliche Aktivitäten, üppiges Essen und forcierte Lustigkeit im Kreise gleichgesinnter – Urlaubsflirt eingeschlossen – angesprochen werden. Der Club-Urlaub wird für die ganze Familie propagiert. Von den rund 20 000 Deutschen, die 1978 in einer der über 70 Clubanlagen Urlaub machen, sind jedoch immer noch fast die Hälfte Singles. Insgesamt nimmt die Zahl der Einzelreisenden stark zu. 1978 sind es über 3,8 Mio. Deutsche, die ohne Partner das Weite suchen, rund 16% aller deutschen Urlauber. Allerdings erfüllt sich nach Erkenntnissen von Tourismus-Forschern die Hoffnung, im Urlaub einen festen Partner zu finden, nur für einen Bruchteil der Single-Touristen.

Der reine Faulenzurlaub am Strand verliert für eine wachsende Gruppe allmählich an Attraktivität. Dementsprechend verzeichnen die Veranstalter von Studienreisen 1978 überdurchschnittliche Zuwachsraten von bis zu 30%. Insbesondere jüngere Leute entdecken den Reiz einer gut organisierten Bildungsreise zu den klassischen Stätten der Antike in Griechenland oder den Zeugnissen der Maya-Kultur in Mexiko. Die Spezialunternehmen der Branche hoffen, durch diese neue Kundengruppe ihr »Studienrat- und Pfarrfrauenimage« loszuwerden.

In der Freizeitgestaltung der Bundesdeutschen außerhalb des Urlaubs nehmen sportliche Aktivitäten immer breiteren Raum ein. Tennisanlagen und die neuerrichteten Squash-Center erfreuen sich starken Zulaufs. Den eher nüchternen Stadtbädern machen kommerziell betriebene sog. Erlebnisbäder zunehmend Konkurrenz, die ihren Besuchern Wellenbad, Whirlpool, Sauna, Bars u.a. bieten. Allerdings bekommen die Reisen den 1978 auch die Schattenseiten des Massentourismus deutlich zu spüren. Kilometerlange Staus auf den Autobahnen, überfüllte Strände und Hotels machen den Urlaub für viele zum Stresserlebnis Ein Fluglotsenstreik in Frankreich zwingt Zehntausende von Urlaubern, oft tagelang auf dem Flughafen zu kampieren.