Polnischer Kardinal Wojtyla wird Papst Johannes Paul II.

Politik und Gesellschaft 1978:

Für großes Aufsehen sorgt im Oktober die Wahl des polnischen Kardinals Karol Wojtyla zum Oberhaupt der katholischen Kirche. Er ist der erste Nichtitaliener seit über 450 Jahren und der erste Pole überhaupt auf dem Heiligen Stuhl. Sein Vorgänger Johannes Paul I. war nach nur 33-tägigem Pontifikat gestorben. »Der lächelnde Papst«, wie er von den Gläubigen wegen seines fröhlichen Auftretens genannt wurde, hatte das Amt im August nach dem Tod von Paul VI. angetreten. Mit der Wahl Wojtylas setzt die katholische Kirche ein deutliches Signal der moralischen Unterstützung ihrer Gemeinden in den Staaten des Warschauer Paktes. Unter dem »real existierenden Sozialismus« und insbesondere in Polen sind die katholischen Gläubigen dem Terror des Staates in unterschiedlichsten Formen ausgesetzt. Wojtylas Wahl bedeutet einen wichtigen Schritt zur Demokratisierung Polens, die in den ersten freien Wahlen 1989 ihren vorläufigen Höhepunkt findet.