Alternative zum Pkw gesucht

Alternative zum Pkw gesucht
Transrapid 05 auf der IVA (Internationale Verkehrsausstellung)1979 in Hamburg. - MPW57 at German Wikipedia(Original text: MPW57) [Public domain], from Wikimedia Commons

Verkehr 1979:

+++ VOR 40 JAHREN +++

Nach 30 Jahren Vormarsch des motorisierten Individualverkehrs wird der Sinn neuer Fernstraßen in der Bundesrepublik erstmals infrage gestellt. Angesichts der erhöhten Umweltbelastungen durch Kraftfahrzeuge in Wohngebieten und der chronischen Staus auf den Fernverkehrsstraßen wächst das Interesse an naturfreundlicheren Alternativen.

Der Rücktritt vom Landwirtschaftsminister Nordrhein-Westfalens, Dieter Deneke (SPD), aus Protest gegen den geplanten Autobahnbau durch das Naturschutzgebiet Rothaargebirge (<!– –>3.5.<!– –>) richtete den Blick einer breiten Öffentlichkeit auf die Ausbaupläne für das Fernstraßennetz. Auch andere ökologisch fragwürdige Projekte wie der geplante Bau einer A 31 von Dortmund nach Nordfriesland durch wertvolle Moorgebiete oder die Berlin-Nord-Trasse durch den Tegeler Forst, die 40 000 Bäume kosten würde, rufen Protest hervor.

Um mehr Reisende zum Umsteigen zu ermuntern, bietet die Deutsche Bundesbahn ab Sommer den IC im Stundentakt und auch mit zweiter Wagenklasse an. Damit die »Brummis« von der Straße kommen, will die Bahn im sog. Huckepack-Verkehr mehr Schwerlastwagen befördern. Im Mittelpunkt des Publikumsinteresses auf der Internationalen Verkehrs-Ausstellung in Hamburg (8. 6.-1. 7.) steht die Magnetschwebebahn Transrapid, die mit Geschwindigkeiten von bis zu 400 km/h den schienengebundenen Verkehr als Alternative zu Pkw und Flugzeug auf Strecken bis zu 1000 km interessant machen soll. Allerdings erfordert der Bau der Transrapid-Strecken erhebliche Investitionen, die der Bundesbahn bei einer Erweiterung ihres Angebots fehlen würden.

Um Wohnstraßen von den Folgen des Autoverkehrs zu entlasten und die Unfallhäufigkeit zu verringern, werden in mehreren Städten Nordrhein-Westfalens erfolgreich Modellversuche mit Tempo 30 unternommen. Das Interesse an ökologischen Themen, das sich im Erstarken der »grünen« Parteien ausdrückt, lässt das Fahrrad ein Comeback feiern. Am 27. September wird in Bremen – nach dem Vorbild der Automobilclubs – der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club gegründet. Zu Zentralforderungen des ADFC gehören mehr Radwege und eine Kilometerpauschale auch für Rad fahrer

Nur wenige deutsche Städte zeigen sich schon Rad fahrerfreundlich Gemessen an der Gesamtlänge der Straßen hat z.B. Hamburg einen Radwegbestand von lediglich 16,7%, mit 26,7% sieht es in Bremen nicht viel besser aus. Zweiradfreundlicher ist die fränkische Stadt Erlangen: Mit 48,4% gibt es immerhin halb so viel Radwege wie Verkehrsstraßen.